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Kiel Medienkompetenz muss in der Schule beginnen
Kiel Medienkompetenz muss in der Schule beginnen
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22:10 24.11.2016
Von Christian Hiersemenzel
Kinder sollen so früh wie möglich lernen, seriöse von unseriösen Nachrichten zu unterscheiden, fordert KN-Geschäftsführer Sven Fricke in seiner Rede. Quelle: Sven Fricke
Kiel

„Nicht jeder Mensch mit einem weißen Kittel ist ein Arzt“, stellte Sven Fricke (44) fest. „Und nicht jede Information, der Sie heute begegnen, ist eine Nachricht aus zuverlässiger Quelle, aufgeschrieben von einem Journalisten.“ Der Geschäftsführer der Kieler Nachrichten nutzte am Donnerstag den KN-Empfang für eine bildungspolitische Forderung: Kinder sollten möglichst schon am Ende der Grundschule, spätestens aber ab der fünften Klasse Unterricht in Medienkompetenz erhalten. „Es gibt an dieser Stelle kein ,zu früh’. Schon mein zehnjähriger Sohn beherrscht den Umgang mit dem Smartphone genauso gut wie sein älterer Bruder. Wir dürfen diese Generation damit in Zeiten von sozialen Netzwerken nicht allein lassen.“

Mit dem Ostseekai hatte das Medienhaus diesmal einen Veranstaltungsort gewählt, der Aufbruchstimmung signalisiert. Hell, modern und klar, den Blick auf Ziele gerichtet, ziemlich cool und doch mitten im Herzen von Kiel: So sieht Heimatverbundenheit im Jahr 2016 aus. Rund 500 Vertreter aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, Religion und Medien fuhren mit der Rolltreppe nach oben, schritten über einen meerblauen Teppich, genossen die Aussicht auf die russische „Sailing Yacht A“, wippten zu Lounge-Rhythmen – und genossen nach dem offiziellen Teil, dass zumindest auf dem Teller Traditionelles landete: Holsteiner Rübenmus und Grünkohl.

"Seien sie kritisch, seien Sie skeptisch"

Mancher dürfte allerdings zwischendurch immer mal auf sein Handy geguckt haben, um zu twittern oder auf Facebook aktuelle Infos zu checken. „Social Media ist aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken, schon allein, weil wir auf diesem kurzen Weg mit unseren Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben“, stellte Sven Fricke fest. Eines sei doch klar: „Facebook ist auch für uns ein wichtiger Vertriebspartner.“ Dass der Suchalgorithmus dem Nutzer jedoch vor allem diejenigen Inhalte anbietet, die er zuvor schon einmal geliket beziehungsweise geteilt hat, könne schnell zu einer verzerrten Wahrnehmung führen. „Dadurch entsteht ein sogenannter Echoraum, der sich permanent selbst verstärkt. Sie hören und lesen nur noch das, was Sie hören wollen.“

Falschmeldung zu Trump verbreitete sich rasant

Ein paar junge geschäftstüchtige Mazedonier hatten kürzlich eine Fake-Nachricht in die Welt gesetzt, indem sie behaupteten, der Papst habe eine Wahlempfehlung für Donald Trump ausgesprochen. Stimmte zwar nicht, verbreitete sich aber rasant über 900.000 Mal. Wobei die Jungs noch kräftig Geld verdienten, indem sie zusammen mit der Meldung Werbung einblendeten. Fricke: „Für mich ist das noch einmal ein Indiz, dass es auf den Plattformen eine Kennzeichnung dafür geben sollte, was journalistische Inhalte sind, für die der Verfasser auch die Verantwortung übernimmt. Seien Sie kritisch, seien Sie skeptisch. Das ist wichtiger denn je.“ Nur wenn es gelinge, bereits Kindern das Wissen über seriöse und unseriöse Meldungen zu vermitteln, „werden wir es schaffen, mündige und wissende Mitbürger um uns zu haben, die den extremen und radikalen Ansichten, die nicht zu unserer Demokratie passen, etwas entgegensetzen können“.

Zustimmung aus der Landespolitik

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) pflichtete dem KN-Geschäftsführer bei. Medienkompetenz gehört zu ihren erklärten Steckenpferden. „Der Umgang mit digitalen Medien muss früh erlernt werden, um später selbstverständlich zu sein“, sagte sie. „Außerdem eröffnet die digitale Technik auch Lehrkräften neue Möglichkeiten für ihren Unterricht.“ Die Ministerin ist Schirmherrin der Aktion Netrace, die Schülern landesweit auf spielerische Weise den kritischen Umgang mit Internet-Informationen vermittelt.

Applaus kam auch von der CDU. „Es ist ungleich schwerer, im Internet Lüge von Wahrheit zu unterscheiden als im menschlichen Miteinander“, stellte der Landesparteichef und Fraktionsvorsitzende Daniel Günther fest. „Für unsere Demokratie ist das die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre.“ Kinder müssten deshalb so früh wie möglich lernen, die Inhalte digitaler Medien zu hinterfragen. „Sonst laufen sie Gefahr, durch die Netzwerke manipuliert zu werden.“ Eines schob Günther selbstkritisch nach: Für Erwachsene gelte dieses Risiko ebenso.

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