26 ° / 14 ° heiter

Navigation:
Autokonzerne stärker in die Pflicht

Sondersitzung Autokonzerne stärker in die Pflicht

Bei der Sondersitzung der Ortsbeiräte Mitte und Hassee/Vieburg zum drohenden Fahrverbot am Theodor-Heuss-Ring wurde die Situation ausführlich diskutiert, allerdings ohne große Neuigkeiten. Einig waren sich alle vor allem darin, dass die Autokonzerne stärker in die Pflicht genommen werden müssen.

Voriger Artikel
Einbruch verhindert, aber spät gemeldet
Nächster Artikel
Linke greifen Ordnungsamt an

Sondersitzung zum Theodor-Heuss-Ring im Kieler Rathaus.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das sei politisch aber offensichtlich nicht gewollt, stellte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer fest, der direkt vom Diesel-Gipfel in Berlin zur Sitzung angereist war.

Gemeinsam mit Andreas von der Heydt, Leiter des Umweltschutzamtes, und Tiefbauamtsleiter Peter Bender informierte er „aus erster Hand“ über die Schadstoffbelastung in Kiel und besonders am Theodor-Heuss-Ring und diskutierte mit dem Publikum Gründe und Lösungsmöglichkeiten.

„Es ist wichtig und richtig, sich dem Thema zu stellen, unabhängig davon, ob Fahrverbote drohen oder nicht“, sagte Kämpfer gleich zu Beginn. Denn die Schadstoffbelastung durch Autoabgase betreffe nicht nur den Theodor-Heuss-Ring, auch wenn nur hier und an der Bahnhofstraße der Stickstoffdioxid-Grenzwert regelmäßig überschritten werde. Luftverschmutzung sei ein Problem in der ganzen Stadt. Verursacher sei in erster Linie der Autoverkehr. Deshalb müssten die Autobauer, die mit ihrer Software die Autofahrer betrogen hätten, zur Hardware-Nachrüstung gezwungen werden, forderte der OB.

„Sie sind wie eine Gummiwand“, wurde dem Oberbürgermeister da aus dem Publikum vorgeworfen. Er gebe den Druck weiter, schiebe ihn auf die Autokonzerne, anstatt selbst zu handeln. „Den Vorwurf lasse ich natürlich nicht auf mir sitzen“, entgegnete Kämpfer. Die Verwaltung tue sehr wohl etwas und setze sich mit dem Thema intensiv auseinander. Eine Hardware-Nachrüstung würde aber die Verursacher der hohen Schadstoffbelastung treffen. Mit einem Fahrverbot hingegen stände Kiel vor einem Verkehrskollaps, durch Ausweichverkehre würden außerdem noch mehr Anwohner der starken Belastung ausgesetzt. „Die Diskussion ist kompliziert“, so Kämpfer.

Langfristig sei die Lösung natürlich ein verändertes Mobilitätsverhalten mit mehr Fahrradverkehr, einem größeren Anteil an E-Mobilität und einem verbesserten ÖPNV-Netz. „Da müssen wir dann auch über eine Regionalbahn, Straßenbahn oder Tram reden“, forderte der OB und erhielt dafür Applaus und Zustimmung aus dem Publikum.

Kritisiert wurde der Verwaltungschef aber dafür, dass zu wenig für den Radverkehr getan werde. Es sei schwierig, auf das Fahrrad umzusteigen, wenn Radwege in schlechtem Zustand seien oder wie am Theodor-Heuss-Ring im Nichts enden. „Als Radfahrer kenne ich die Stärken und Schwächen des Kieler Fahrradnetzes sehr gut“, sagte der OB. Man sei nicht Kopenhagen, es werde aber einiges getan. „Vieles ist schlicht auch eine Geldfrage.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Anne Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Kiel 2/3