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Kiel Kiel hat sein eigenes Bernsteinzimmer
Kiel Kiel hat sein eigenes Bernsteinzimmer
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07:00 09.02.2018
Von Kristiane Backheuer
Zu Besuch im Bernstein-Zimmer der Landeshauptstadt. Quelle: Frank Peter
Kiel

Wer sucht, der findet. Mitten im Kieler Rathaus, zwischen endlos langen Fluren und unzähligen Bürotüren, schlummert ganz still und heimlich das Bernsteinzimmer. Gewöhnlich ist das Zimmer nicht für Besucher geöffnet. Aber heute macht Rathaus-Mitarbeiter Hans-Georg Woitzik (60) eine Ausnahme und schließt die Tür auf. Da glitzern große und kleine Bernsteinstücke um die Wette. An der Wand hängen kunstvolle Gemälde, über und über mit dem begehrten Schmuckstein aus fossilem Harz verziert.

„Im Laufe der Zeit hat sich viel angesammelt“, sagt Hans-Georg Woitzik. „Immer wenn uns eine Partnerstadt besucht, werden Geschenke mitgebracht. Das summiert sich über all die Jahre.“ 1964 unterzeichnete die Landeshauptstadt den ersten Partnerschaftsvertrag mit der französischen Hafenstadt Brest. Im Laufe der Jahre kamen elf weitere Städte dazu. Die jüngste Beziehung wurde im September vergangenen Jahres mit San Francisco besiegelt. So fanden schon Bildbände aus Coventry ihren Weg nach Kiel, Holzschnitzereien aus Afrika, Glasobjekte aus Finnland und immer wieder Bernstein-Schmuckstücke vor allem aus Gdynia (Polen) und Kaliningrad (Russland). Irgendwann begann Woitziks Vorgänger dann die Sammlung fürs Bernsteinzimmer. Und schon wurde aus einem Besprechungszimmer im ersten Stock des Rathauses das Bernsteinzimmer.

Den Raum nehmen einige Rathaus-Kollegen schmunzelnd zur Kenntnis. Denn nicht immer treffen die Geschenke, die über all die Jahre so nach Kiel kamen, den norddeutschen Geschmack. Der Meister der Diplomatie ist dabei Hans-Georg Woitzik. Der Verwaltungsfachmann, der gleich nach der Schule im Kieler Rathaus seine Ausbildung begann, ist seit 1992 mit den internationalen Beziehungen Kiels befasst. Oft hat er als Stadtvertreter die Mitbringsel entgegennehmen dürfen – im Ausland wie im Rathaus selbst. Das Gesicht entgleitet ihm dabei nie. Auch wenn er sich so manches Mal seinen Teil denkt. „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“, sagt er lachend.

Aber egal, was es ist, im Grunde dienen die Geschenke nur einem Ziel: Sie sollen Frieden stiften und zur Völkerverständigung beitragen. Und das klappt auch mit einem Aschenbecher aus Bernstein ganz hervorragend. Der Volksglaube besagt übrigens, dass Bernstein vor bösem Zauber schützt und Dämonen und Hexen vertreibt. Demnach müsste das Bernsteinzimmer das ideale Besprechungszimmer für die Rathaus-Mitarbeiter sein.

Hier sehen Sie einen Eindruck aus dem Bernsteinzimmer.
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