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Kiel Bei Ätna-Kollaps droht ein Tsunami
Kiel Bei Ätna-Kollaps droht ein Tsunami
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12:46 11.10.2018
Von Martina Drexler
Das Forschungsschiff "Poseidon" vor dem Ätna. Er ist Europas aktivster Vulkan. Seine Ostflanke erstreckt sich bis tief ins Mittelmeer. Quelle: Felix Gross
Kiel/Catania

Dass die Ostflanke des Ätnas um einige Zentimeter pro Jahr Richtung Meer rutscht, ist seit Langem bekannt. Jedoch wussten Wissenschaftler nicht genau, warum. Bisherige Messungen stützten sich auf Satellitendaten über die Bewegungen an Land. Zum ersten Mal brachten die Kieler Wissenschaftler unter Federführung von Dr. Morelia Urlaub (35) vom Kieler Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in etwa 1200 Metern Wassertiefe fünf mit Drucksensoren ausgerüstete Transponder an der instabilen Flanke des Vulkans an.

Zum ersten Mal wurden die Vulkan-Bewegungen unter Wasser gemessen

Der unterseeische Teil des Feuerbergs sei bisher weitgehend unberücksichtigt geblieben, weil satellitenbasierte Messungen unter Wasser nicht möglich seien, berichten die Forscher. „Das gesamte Vulkangebäude ist sehr hoch und schwer“, sagt Morelia Urlaub. „Das hat zur Folge, dass sich der Vulkan quasi ständig in alle Richtungen ausbreiten möchte. Am ehesten kann er das aber in Richtung Meer.“

Die Kieler Forscher, die zusammen mit Kollegen vom Observatorium in Catania arbeiteten, werteten Daten von April 2016 bis Juli 2017 aus. Im Mai 2017 gab es dann über einen Zeitraum von acht Tagen deutliche Veränderungen: Die Flanke bewegte sich unter Wasser etwa vier Zentimeter seitwärts in östliche Richtung und etwa einen Zentimeter abwärts. Nicht Magma, sondern die Schwerkraft setze die Vulkanflanke in Bewegung, schlussfolgern die Forscher jetzt.

Weitere Forschungsfahrt mit der "Poseidon" geplant

„Wir konnten zeigen, dass sich die Flanke weit weg vom Herzen des Vulkans, der Magma-Kammer, unter dem Wasser bewegt“, erläuterte Morelia Urlaub. Von den Gravitationskräften sei, anders als bei Magma-Eruptionen, die gesamte instabile Flanke von dem Fuß bis zum Gipfel betroffen – mit katastrophalen Folgen: Stürzten auf einen Schlag große Mengen Material ins Meer, könnte das eine riesige Flutwelle auslösen. Eine unmittelbare Gefahr gebe es zwar nicht, so Urlaub, aber man müsse die Flanke genau beobachten. Eine weitere Forschungsfahrt mit der „Poseidon“ nach Sizilien planen die Kieler Forscher im Jahr 2020.

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