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Kiel Hinterm Lenkrad sind bald Plätze frei
Kiel Hinterm Lenkrad sind bald Plätze frei
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06:30 17.06.2014
Nicht nur anonyme Dienstleister: Ab heute zieren die Porträts von zwölf KVG-Fahrern einen Teil der Flotte. Quelle: Timm
Kiel

Gülsen Cosko ist eines der zwölf Gesichter, mit denen die KVG auf ihren Bussen wirbt – und das offensiv. „Mein Fahrwerk wird öfter bestaunt als die Mona Lisa“ heißt es unter dem Konterfei der Kielerin. „Das passt einfach zu mir, ich bin auch frech“, erklärt die 34-Jährige. „Ich finde den Spruch witzig und freue mich, wenn ich damit neue Kollegen werben kann.“

 Und das ist notwendig: „Von unseren rund 400 Busfahrern überschreiten 200 in den nächsten zehn Jahren das 60. Lebensjahr und verlassen uns“, verdeutlicht KVG-Geschäftsführer Andreas Schulz die Nachwuchssorgen des Unternehmens. „Mit der Kampagne wollen wir im Wettbewerb nach vorne kommen und besonders die Wertschätzung des Berufs in der Öffentlichkeit verbessern.“ Neben dem fehlenden Ansehen sei vor allem die Ausbildung ein großes Problem. Gerade einmal zwölf Fahrer pro Jahr könnten betriebsintern ausgebildet werden.

 Um die nötige Aufmerksamkeit zu erreichen, hat sich die KVG mit Christin Pukallus und Sophia Ewig zusammengetan. Die beiden ehemaligen Studentinnen der Muthesius Kunsthochschule entwickelten in ihrer Master-Abschlussarbeit eine Imagekampagne, in der die Mitarbeiter im Zentrum stehen. „Viele sehen die Busfahrer nur als Maschine, die das Fahrzeug lenkt. Wir wollen die Gesichter dahinter zeigen“, erklärt Sophia Ewig, die mittlerweile mit ihrer Studienkollegin die Agentur Likadi Design gegründet hat.

 „Im Arbeitsalltag grüßt man sich normalerweise. Bei Busfahrern wird oft das Geld einfach abgezählt hingelegt, ohne dass ein Wort gesagt wird. Das finde viele Fahrer schade.“ Um eine „persönliche Ebene“ aufzubauen, haben die Kommunikationsdesignerinnen exemplarisch für die gesamte Belegschaft die Gesichter von zwölf Fahrern auf Busse drucken lassen – und jedes mit einem eingängigen Spruch unterlegt.

 Dass es um den Ruf der Busfahrer nicht sonderlich gut bestellt ist, weiß auch Marvin Prehn. „Wir sind häufig einfach das Ablassventil für schlechte Laune. Wenn der Bus zu spät kommt, bekommt der Fahrer den Ärger ab, auch wenn es gar nicht in seiner Hand liegt“, erzählt der 23-Jährige. Busfahrer ist er trotzdem gerne. „Die Arbeit ist breit gefächert. Man ist viel draußen unterwegs und hat Kontakt zu den Menschen“, erzählt Prehn, dessen Gesicht mit dem Schriftzug „Mein Büro hat`n Panoramafenster mit Meerblick“ durch die Landeshauptstadt fährt.

 Auch seine Kollegin Cosko ist mit ihrem Beruf zufrieden. „Es macht Spaß und das Fahrgefühl im Bus ist einfach nicht zu toppen,“ erklärt sie. Dass der Text neben ihrem Bild zweideutig aufgefasst werden könnte, stört sie nicht. „Im Bus ist die Flirtquote sowieso hoch. Da hört man häufiger Sprüche, aber damit kann ich gut umgehen. Und im schlimmsten Fall kann ich mich dank 20 Jahren Kampfsporterfahrung wehren“, sagt die junge Frau schmunzelnd.

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