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Kiel Gefährliche Lockungen aus Kiel
Kiel Gefährliche Lockungen aus Kiel
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08:00 28.07.2018
Von Martin Geist
160 Kinder zwischen acht und 14 Jahren lebten, arbeiteten und debattierten in der Kinderstadt. Quelle: Martin Geist
Kiel

Stadtpräsident Hans-Werner Tovar stattete der Kinderstadt, wie jeder gute Nachbar, einen Besuch ab, nachdem sie sich einigermaßen formiert und unter anderem ihren eigenen Bürgermeister gewählt hatte. Politisch ist der freundliche Herr aus dem Rathaus allerdings ein alter Fuchs. In warmen Worten warb er dafür, dass Sprottenhausen ein Kieler Stadtteil werden solle – und rief damit zunächst einmal zustimmende bis begeisterte Reaktionen hervor.

Eigenständigkeit wäre auf der Strecke geblieben

Dann aber setzte das große Nachdenken ein. Die schöne Karriere des mit einem so stolzen Ergebnis gewählten Bürgermeisters Keivan? Futsch wäre sie gewesen, denn in Stadtteilen gibt es keine Bürgermeister. Überhaupt, so dämmerte es den etwa 160 Bürgern der Kinderstadt, wäre jede Menge Eigenständigkeit auf der Strecke geblieben, wenn sie den Lockungen des gewieften Herrn Tovar gefolgt wären. Also erteilten sie dem großen Nachbarn doch eine Abfuhr und sprachen sich in einem Bürgerentscheid für ein freies Sprottenhausen aus.

Der Wunsch, dass sich ein freies Leben in geregelten Bahnen vollzieht, ist bei der Jugend von heute indes durchaus vorhanden. Immer wieder gab es Beschwerden über mangelnde Sauberkeit in der Stadt. Was an unterentwickelter Müllmoral der Bürger gelegen haben mag. Oder vielleicht auch an unterentwickelter Arbeitsmoral der Truppe vom ABS, dem Abfallwirtschaftsbetrieb Sprottenhausen.

Instrument zum Erlernen von Demokratie

Ärger gab es obendrein mit den Behörden. Um den überbordenden Export des leckeren Gebäcks nach Kiel einzudämmen, verhängte die Stadt Schutzzölle. Nur wie diese Zölle genau zu erheben seien, darüber waren sich Bürgermeister, Ordnungsamt und Ältestenrat uneinig.

Genau wegen solcher Geschichten ist die Kinderstadt für junge Leute ein unübertreffbares Instrument, um Demokratie zu lernen. Was für Alexandra Rederer und ihr Helferteam ein weiterer großer Pluspunkt war.

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