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Kiel Not, Elend und Tod im Comic-Stil
Kiel Not, Elend und Tod im Comic-Stil
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10:00 12.07.2018
Von Niklas Wieczorek
Etwa in DIN-A3-Größe und fast durchgängig in Farbe bedruckt waren die Kriegsbilderbogen, die Reinhard Penner, ein akribischer, historisch interessierter Sammler, in seinem Wohnzimmer in Kiel-Russee präsentiert. Quelle: Frank Peter
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Und die zeigen, wie Propaganda schon im Ersten Weltkrieg die deutsche Gesellschaft militaristisch durchdrang – und vielleicht damit ihren Teil dazu beitrug, dass der Krieg mit dem Matrosenaufstand beendet wurde. "Mein historisches Interesse war schon immer da", erklärt Penner auf seinem Balkon in Kiel-Russee, "ein guter Freund hat mir die Bilderbogen daher Anfang der 2000er geschenkt." Er habe sie gesichtet, gelesen – war fasziniert und wollte sich schlau machen. In der Staatsbibliothek zu Berlin – "ich hatte die Vermutung, das sind die einzigen, die was wissen" – kam er in Kontakt mit "genau der richtigen Frau": Sigrun Putjenter hatte gerade einen Aufsatz zu diesem Medium Bilderbogen geschrieben.

Vorläufer der Fotografien

Kriegsbilderbogen waren ihrer Darstellung nach eine Form der Informationsvermittlung, die in den Jahren des Kriegs ihre letzte Blüte erreichte. "Sie befriedigten den Wunsch der Menschen, Dinge mit eigenen Augen sehen zu wollen, und lieferten zudem eine kurze, tendenziöse Erläuterung", schreibt Putjenter. "Kurze Texte und ein hoher Bildanteil waren gefragt." Und: "Der Verbreitungsgrad war beeindruckend." Fotografien als Bildzeugnisse lösten die kopierten Zeichnungen, die vor allem Jugendliche ansprechen und für den Krieg motivieren sollten, schließlich ab. Dass der Umgang mit Fotos erst langsam professioneller wurde, zeigte auch ein überraschendes Forschungsergebnis 2015: Kiels vermeintlich bekanntestes Foto vom Matrosenaufstand entstand tatsächlich in Berlin.

Ein Kiel, das sich niemand mehr vorstellen kann

Für Kieler mit historischem Interesse dürften vor allem die maritimen Motive interessant sein: "Hier war von vorne bis hinten Militär. Das kann sich ja heute keiner mehr vorstellen", beschreibt Penner Kiel Anfang des 20. Jahrhunderts. Bis es den Matrosen zu viel wurde mit dem Krieg – und sie sich im November 1918 gegen ihre Führung erhoben. Vielleicht haben auch die Kriegsbilderbogen den Bogen überspannt.

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