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Kiel Auf der Mauer, auf der Lauer
Kiel Auf der Mauer, auf der Lauer
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14:00 03.08.2017
Von Niklas Wieczorek
Raus aus der Schwentinemündung, danach mutmaßlich auf das Gelände des Kieler Schrotthandels und schließlich auf diese Eckmauer zum Ostuferhafen: Die filmreife Schwimm- und Kletterleistung eines 23-Jährigen beschäftigte am Wochenende die Einsatzkräfte und die Redaktion. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Die Kieler Feuerwehr berichtete am Sonnabend von dem ungewöhnlichen Einsatz: Um 1.30 Uhr kam in der Nacht zuvor ein Notruf herein. Ein Mann sitze demnach auf einer meterhohen Mauer am Ostuferhafen. Wie er dahin gekommen war? Keine Ahnung. Wie er wieder runterkommen sollte? Auch nicht. Die Feuerwehr rettete mit der Drehleiter den betrunkenen 23-Jährigen, der offenbar zuvor noch schwimmen war. Alles gut gegangen. Aber: Neugier geweckt. Am gesamten Wochenende gehört der Artikel zu den meistgeklickten auf KN-online.

Am Montagmorgen in der Redaktion fragen sich alle Hobby-Kletterer und solche, die es werden wollen, wie der Mann in dem Zustand bitte in diese Höhe vorgedrungen sei. Sechs Meter sollen es gewesen sein. Erster Anruf bei der Feuerwehr: So etwas komme immer wieder vor, sagt Sprecher Michael Krohn. Menschen finden sich in einer misslichen Lage, nicht selten in einer Höhe wieder, aus der sie selbstständig nicht mehr entkommen können. „Wir hatten mal einen, der nachts auf einem Wohnmobil aufwachte“, erinnert sich Krohn. Wie reibungslos der Einsatz dann ablaufe, komme darauf an, „wie kompromissbereit“ der Betroffene sei. Ob die lange Drehleiter mit auf den Weg geschickt werde, entscheide der Disponent in der Leitstelle, der den Notruf entgegennimmt. „Der macht sich zunächst über Nachfragen ein Bild von der Lage.“ Es bleibt rätselhaft, wie der Mann auf die Mauer gekommen sein könnte.

War der Mann tatsächlich auf dem Kieler Schrottplatz?

Vielleicht kann der Schrotthandel weiterhelfen: Am Montagmittag Anruf bei Betriebsleiter Bernd Fischwasser. Am anderen Ende der Leitung Erstaunen: „Hier weiß kein Mensch was davon, wir haben das auch erst aus der Zeitung erfahren“, sagt Fischwasser. Er bezweifelt, dass der verwirrte Mann tatsächlich auf dem Schrottplatz war: „In dem Augenblick, wo jemand auf das Gelände kommt, geht die Alarmanlage an.“ Seltsam.

Also am Montagnachmittag Ortsbesuch: Welche Mauer könnte es bloß gewesen sein? Beim Blick auf das Gelände ist nicht direkt ersichtlich, wo hier eine sechs Meter hohe Mauer stehen könnte. Besuch in Fischwassers Büro: Hier liegt die KN vom Tage, die Meldung eingekringelt. Weitere Erkenntnisse zu der mysteriösen Geschichte gibt es nicht. „Sechs Meter hohe Mauer?“, fragte Fischwasser, „führen wir nicht – kriegen wir auch nicht rein.“

Bei der Feuerwehr sind am Dienstagvormittag wieder die Kameraden im Dienst, die auch am Wochenende im Einsatz waren: „Dem Geretteten ist das mehr oder weniger peinlich gewesen“, sagte Feuerwehr-Sprecher Krohn nach Rücksprache. „Schleif- und Brandwunden wurden allerdings auch an seinem Körper entdeckt.“ Und: Am Einsatz war auch die Wasserschutzpolizei beteiligt. Es stellte sich heraus: Auch der Notruf kam von der Polizei.

Die Suche nach der Mauer

Und welche Mauer war es nun? Es handelte sich offenbar um die Verlängerung eines Gebäudes, das den Schrottplatz nach Norden hin zum Hafengelände abgrenzt, nicht ganz sechs Meter hoch. Dennoch ist jetzt klar, dass der Mann nach dem Schwimmen noch einige Meter zurückgelegt haben muss, bevor er eine Klettereinlage – oder was auch immer – hinlegte. Duathlon.

Rücksprache mit Fischwasser am Dienstagnachmittag: Eine klassische Mauer aus Ziegelsteinen sei das ja nun nicht. Vielleicht sei der Mann ja über das Gelände des Ostuferhafens auf die Begrenzung gelangt. Auf dem Google-Earth-Satellitenbild sind dort Büsche und Fahrzeuge zu sehen. Hat er es darüber geschafft?

Am Mittwoch Antworten von der Polizei: Die Wasserschutzpolizei habe dokumentiert, dass der Mann von einer Party in Dietrichsdorf und der Schwimmeinlage in der Schwentine wusste – und dann orientierungslos zu sich kam. „Fassungslos“ seien die Kollegen der Wasserschutzpolizei ob der Kletterleistung gewesen, so Sprecher Oliver Pohl. Die Verletzungen? Eher harmlose „Schürfwunden“.

„Da sitzt ein Mann mit Hose und freiem Oberkörper auf der Mauer“

Dann am Mittwochnachmittag die Anfrage für das Artikelfoto an den Seehafen: Alles kein Problem, so Sprecher Ulf Jahnke – stattdessen nach wenigen Minuten ein erstaunter Rückruf: Es gebe tatsächlich Aufnahmen des Mannes: „Da sitzt ein Mann mit Hose und freiem Oberkörper auf der Mauer“, sagte Jahnke. „Unsere Vermutung ist aber, dass er eher über das Schrottplatz-Gelände gekommen sein muss.“

Nach dem Bad ging es für den 23-Jährigen offenbar neben dem Schrott an Land und von einem der Restehaufen in die Höhe. Und wer hat die Polizei gerufen? „Unsere Wache“, bekräftigte Jahnke. „Die hat Rufe gehört und dann die Polizei informiert.“ Das sei im Wachprotokoll festgehalten.

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