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Kiel Prozessauftakt: Frau in Kronshagen angezündet
Kiel Prozessauftakt: Frau in Kronshagen angezündet
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05:00 23.08.2017
Von Niklas Wieczorek
Am 7. Dezember 2016 wurde Delali Assigbley in Kronshagen auf offener Straße mit Benzin übergossen und angezündet. Am Tatort wurden viele Kerzen für die Verstorbene angezündet. Quelle: Frank Peter (Archiv)
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Kiel/Kronshagen

Acht Monate nach dem qualvollen Feuertod von Delali Assigbley in Kronshagen beginnt am Mittwoch am Landgericht Kiel der Prozess gegen ihren Ehemann. Der 41-Jährige aus Togo soll seine Frau nach einem Streit am 7. Dezember 2016 auf offener Straße mit Benzin übergossen und angezündet haben.

Lichterloh brennend versuchte die 38-jährige Mutter zweier kleiner Kinder zu fliehen. Sie starb wenig später in einer Spezialklinik in Lübeck an den Folgen der Brandattacke. Die Söhne wurden vom Jugendamt in Obhut genommen und in eine erfahrene Pflegefamilie gebracht. Die Leser der Kieler Nachrichten spendeten für sie 150.000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft wertet den tödlichen Brandanschlag als grausamen heimtückischen Mord - begangen im Zustand der Schuldunfähigkeit. Da der 41-Jährige als psychisch krank gilt, kann er nicht strafrechtlich belangt werden.

Eine Frau ist auf einem Gehweg vor einer Klinik in Brand gesteckt worden. Hier zeigen wir Ihnen Bilder von den Ermittlungen.

Das Kieler Landgericht verhandelt deshalb in einem Sicherungsverfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft über die dauerhafte Unterbringung des Beschuldigten in der Psychiatrie, wo er bereits ist. Das Gericht hat vier Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil könnte am 30. August verkündet werden.

Zur Person: Delali Assigbley

Delali Assigbley war in Kiel aufgrund mehrerer ehrenamtlicher Tätigkeiten bekannt und sollte für den schleswig-holsteinischen Landtag arbeiten. Die aus Togo stammende und seit vielen Jahren in Kiel lebende Frau wollte zum 1. Januar 2017 einen einjährigen Dienst beim Flüchtlingsbeauftragten des Landes, Stefan Schmidt, antreten. Delali Assigbley war eine Frau, die in ihrem Leben noch viel vorhatte. Selbst die Menschen hat sie berührt, die sie nicht persönlich gekannt haben und die erst jetzt, nach der tödlichen Brandattacke ihres Ehemanns, von dem schier unermüdlichen sozialen Engagement und der einnehmenden Lebensfreude der zweifachen Mutter erfahren haben. Einen Nachruf lesen sie hier.

Weißer Ring sorgt sich über steigende Gewalt gegen Frauen

Der Tatvorwurf gegen den Ehemann hat das Thema Gewalt gegen Frauen erneut in den Blickpunkt gerückt. Für Martin Lämmerhirt vom Weißen Ring in Kiel sind die Maßnahmen gegen gewalttätige Männer - nämlich Geldstrafen oder Annäherungsverbote - nicht stark genug. „Uns liegt die Hilflosigkeit der Familiengerichte auf der Seele.“ Der Kerl mache fröhlich weiter, zerstöre die Klingel, beschreibt Lämmerhirt, was er erlebt hat – und dass nur beschränkt eingegriffen werden könne: „Ich muss die Polizei in Schutz nehmen, die kann nichts machen.“

Die Opferschützer werden häufig aktiviert, wenn die Gewalt bereits ausgeübt worden ist: 2016 zählte Lämmerhirt 37 Körperverletzungen gegen Frauen (plus 1 im Vergleich zu 2015), eine Tötung (wie auch 2015), 14 Stalking-Fälle (minus 2) und 41 Sexualdelikte (plus 11). „Da stelle ich eine zunehmende Tendenz fest“, sagt Lämmerhirt. Für 2017 liegen 103 Fälle vor, noch nicht nach Geschlechtern getrennt, Frauen machten aber stets 70 Prozent der Opfer aus.

Gewalt gegen Frauen dringt mehr an die Öffentlichkeit

Dem LKA liegen für häusliche Gewalt, also psychische und physische Übergriffe in Beziehungen, zunehmende Fallzahlen vor – zwischen weiblichen oder männlichen Opfern wird aber statistisch nicht unterschieden. Die registrierten Delikte stiegen von 1770 (2014) über 2900 (2015) auf 3200 (2016). Von Beleidigungen über schwere Körperverletzungen bis zu sexueller Gewalt, schildert Matthias Felsch von der Polizei Kiel, reicht das Spektrum der Gewalt gegen Frauen.

Im Frauenhaus Kiel betrachtet man Gewalt gegen Frauen als gleichbleibend großes Problem, das aber mehr an die Öffentlichkeit dringt, so Maike Schiemann von der Beratungsstelle „Lerche“. Auch aus ihrer Sicht reichten Maßnahmen wie einstweilige Anordnungen oft nicht aus. Und: Die Beweislast eines Verstoßes liege stets bei der Frau, was viel Kraft koste. Unterstützung hielten Beratungsstellen und Frauenhäuser bereit. Doch Plätze sind knapp, zuletzt musste man in Kiel zunehmend Frauen abweisen und weitervermitteln.

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