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Kiel Einschussloch in der Wohnzimmer-Anrichte
Kiel Einschussloch in der Wohnzimmer-Anrichte
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11:24 17.05.2018
Von Niklas Wieczorek
Helga Kiel zeigt auf das Einschussloch in der Glasscheibe der Wohnzimmer-Anrichte. Es soll von einem Schusswechsel in der Zeit des Matrosenaufstands im November 1918 stammen. Quelle: Sonja Paar
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Das Projektil soll damals bei einem Schusswechsel an der Feldstraße in das anliegende Haus mit der Nummer 18 geflogen sein und im dortigen Esszimmer in das Möbelstück eingeschlagen sein – so wurde es zumindest in der Familie weitererzählt. „Gott sei Dank hielt sich zu dem Zeitpunkt niemand dort auf“, sagt Helga Kiel heute. Ihre Großeltern bewohnten das Haus seit der Fertigstellung 1910, der Vater war als Bankdirektor aus Hannover nach Kiel gekommen, die Mutter als Lehrerin aus Berlin.

Matrosen strebten zur Arrestanstalt in der Feldstraße

Zur Arrestanstalt in der Feldstraße strebten Matrosen in diesen Tagen Anfang November, wo die Aufständischen die Freilassung inhaftierter Kameraden forderten. Hier kam es auch zu Schusswechseln. „Es hieß noch: Da kommt die Polizei. Dann kam es zu einem Handgemenge, und es fielen Schüsse“, sagt Helga Kiel – ihre Vermutung daher, was ihre Familienmitglieder betrifft: „Vielleicht hatten sie auch Angst und haben sich in den hinteren Zimmern aufgehalten.“

Heute steht das Möbelstück bei Helga Kiel zu Hause in einer Kieler Wohnung: Ihre Eltern waren in den 1970er-Jahren aus der Feldstraße weggezogen, es ging um die Frage, ob jemand in der Familie die Anrichte übernimmt. „Wir haben uns geeinigt: Dann nehme ich das“, sagt Kiel. Jetzt will sie das Stück nicht mehr missen.

Woher das Einschussloch wirklich stammt, ist unklar

„Der Matrosenaufstand und seine Folgen wurden von den Leuten, das haben meine Großeltern auch immer gesagt, sehr positiv aufgenommen“, zieht Kiel gleich eine Verbindung zwischen den beiden Geschichten. Und selbst wenn heute nicht mehr eindeutig nachprüfbar sein sollte, ob das Einschussloch tatsächlich von der Auseinandersetzung an der Feldstraße herrührt – diese Geschichte ist einfach zu spannend, um sie nicht zu erzählen.

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