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Kiel Katholische Kirche rückt zusammen
Kiel Katholische Kirche rückt zusammen
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20:31 30.11.2014
Von Martin Geist
Zeigte sich optimistisch: Propst Leo Sunderdiek ist als Seelsorger für die neue Kieler Pfarrei „Franz von Assisi“ zuständig. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Aus den bisherigen Pfarreien St. Birgitta (Mettenhof), St. Heinrich (Kiel-Nord und Friedrichsort/Altenholz), St. Joseph (Kiel-Ost, Heikendorf und Schönberg) und St. Nikolaus (Kiel-Mitte, Kiel-Süd und Kronshagen) ist am Sonntag eine Großpfarrei mit 23000 Gläubigen geworden. Niemand mochte beim Festakt im Rathaus von Kiel verschweigen, dass diese Reform ein gutes Stück weit aus der Not heraus geboren wurde. In beiden großen Kirchen, so formulierte es Propst Thomas Lienau-Becker vom evangelischen Kirchenkreis Altholstein, gehe die Zahl der Mitglieder „einschneidend und schmerzlich zurück“, hinzu komme bei den katholischen Glaubensgeschwistern noch der gravierende Priestermangel.

 Leo Sunderdiek, ebenfalls Propst und nun als Seelsorger für die neue Pfarrei verantwortlich, hob gleichwohl hervor, dass jede Veränderung auch neue Möglichkeiten bedeute. Beherzt sei man an die Reform herangegangen, mit dem großen Ziel, die Verwaltung zu straffen und zugleich die Gemeinden vor Ort zu stärken. Ortsnahe Gremien mit Kompetenzen auch im finanziellen Bereich wird es laut Sunderdiek auch künftig geben, wahrscheinlich aber nicht mehr jeden Sonntag in jeder Kirche eine Eucharistiefeier. Entsprechend ausgebildete Ehrenamtliche sollen Wortgottesdienste halten und so den Folgen des wohl noch größer werdenden Priestermangels entgegenwirken.

 Große Hoffnungen setzt der erste Mann der Assisi-Pfarrei auf das Konzept der pastoralen Orte. Über die klassischen Gemeinden hinaus umfasst dieses Konzept die Studierendengemeinde, die Kindergärten, den Sozialdienst katholischer Frauen, die Obdachlosenhilfe und alle anderen Stellen, an denen die katholische Kirche wirkt. Die dort vertretenen Fachkompetenzen in die Gemeindearbeit einzubinden, kann nach Sunderdieks Einschätzung sogar ein echtes Plus gegenüber früheren Zeiten bedeuten.

 Diözesanadministrator Ansgar Thim vom Erzbistum Hamburg sprach zwar von „schmerzlichen Veränderungen“, hob aber ebenfalls die Chancen für die Zukunft hervor. Derweil bezeichnete Oberbürgermeister Ulf Kämpfer den Pfarrei-Namen Franz von Assisi als „ganz starkes Symbol“ und Bekenntnis zu einer Kirche, die sich in der Tradition Assisis der Demut, der Toleranz und dem Respekt verpflichtet fühlt.

 Gut besucht war am Wochenende nicht nur der Empfang zur Pfarreigründung. Zum Vortrag des Franziskanerbruders Thomas Abrell aus Georgsmarienhütte über „Franziskanische Spiritualität heute“ in St. Nikolaus kamen am Sonnabend ebenso zahlreiche Interessierte wie am Sonntagvormittag zu den Eucharistiegottesdiensten in allen Gemeinden der Pfarrei.

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