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Kiel Odyssee eines Meisterwerks
Kiel Odyssee eines Meisterwerks
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18:33 18.06.2009
Kiel

“ An dieses Ereignis vor 55 Jahren erinnert die Historikerin Christa Geckeler in der Reihe der „Kieler Erinnerungstage“ auf den Internetseiten des Stadtarchivs.

1924 hatte der damalige Stadtoberbaurat Willy Hahn (1887-1930) Mut zur Modernität bewiesen: Er bat den expressionistischen Bildhauer Ernst Barlach, der 1870 in Wedel geboren war und in Güstrow lebte, eine Großplastik zur Verschönerung Kiels zu schaffen. Am 16. August 1927 beschloss der Kieler Magistrat, Barlach den Auftrag für eine Bronzefigur auf einem Sockel zu erteilen. Nach mehreren Entwürfen wurde die Bronzeplastik in Berlin-Friedenau gegossen und der Sockel mit Klinkern der Kieler Kunstkeramik AG verkleidet. Am 28. November 1928 berichtete Hahn nach Güstrow, dass die Figur in Kiel eingetroffen sei. Schon einen Tag später wurde sie vor der Heiligengeistkirche aufgestellt. Sie war umgehend der Kritik nationalistischer Kreise ausgesetzt. Die Nationalsozialisten klassifizierten die Werke Barlachs als „entartete Kunst“, die sie systematisch vernichten ließen.

Am 20. April 1937 entfernte man den „Geistkämpfer“ - zunächst ins Thaulow-Museum. Museumsdirektor Ernst Sauermann stellte ihn vorerst gut sichtbar in die Eingangshalle des Museums.

Sauermann versuchte den „Geistkämpfer“ zu retten, doch das Propagandaministerium teilte 1939 mit, dass durch Verfügung des Führers die Plastik beschlagnahmt und ins Ausland verkauft werde. Der tatsächliche Käufer war Bernhard Böhmer, ein einstiger Mitarbeiter von Barlach. Er ließ den „Geistkämpfer“, in vier Teile zersägt, durch eine Speditionsfirma in die Bildgießerei nach Berlin-Friedenau zurückbringen. Von da gelangte die Figur irgendwann während des Krieges auf den Hof eines Barlach-Freundes in Schnega in der Lüneburger Heide. Ernst Barlach hatte die Rettung seines Kunstwerkes nicht mehr erlebt. Er starb krank und verbittert am 24. Oktober 1938.

Nach dem Krieg kaufte die Stadt die Plastik für 20.900 Mark zurück. So können die Kieler und ihre Gäste seit 1954 vor der Nikolaikirche eines der bedeutendsten Werke Ernst Barlachs bestaunen.

www.kiel.de/kultur

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