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Frau mit Silvesterrakete beschossen

Prozess in Kiel Frau mit Silvesterrakete beschossen

Eine junge Frau wurde mit einer Silvesterrakete beschossen und für ihr Leben gezeichnet: Jetzt stehen sieben junge Männer der Fan- und Ultraszene eines Kieler Fußballvereins vor Gericht.

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Sieben junge Männer der Fan- und Ultraszene eines Kieler Fußballvereins stehen in Kiel vor Gericht: In der Silvesternacht zum Jahr 2014 sollen sie Menschen mit Feuerwerkskörpern beschossen haben.

Quelle: Olaf Malzahn, dpa

Kiel. Wegen Beteiligung an einer Schlägerei und Landfriedensbruch müssen sich seit Montag sieben junge Männer aus Kiel verantworten. Sie werden von der Anklage der Fan- und Ultraszene eines Kieler Fußballvereins zugerechnet und sollen in der Silvesternacht zum Jahr 2014 mit Feuerwerkskörpern Menschen beschossen haben. Eine Rakete traf dabei eine damals 19-Jährige. Die junge Frau - sie ist Nebenklägerin in dem Verfahren - sei durch Brandnarben an Hals und Oberkörper für ihr Leben gezeichnet, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski vor dem Kieler Landgericht zu Prozessbeginn.

Rund drei bis vier Prozent der Körperoberfläche des Opfers seien verbrannt worden, sagte der Ankläger. Das Opfer musste demnach monatelang Schmerzmittel nehmen und fast 20 Stunden täglich eine Kompressionsweste tragen. Die Frau leide unter Angst - und Aggressionsstörungen bei Menschenansammlungen und sei auch vier Jahre nach der Tat noch in psychotherapeutischer Behandlung.

Raketenattacke nicht direkt zuzuordnen

Der Vorsitzende Stefan Becker verwies darauf, dass die Raketenattacke keinem der Angeklagten im Alter von heute 22 bis 26 Jahren direkt zuzuordnen sei. Daher habe nur Beteiligung an einer Schlägerei und Landfriedensbruch, aber keine Körperverletzung angeklagt werden können. Die Straferwartung der Angeklagten sei daher nach derzeitiger Einschätzung der Kammer niedrig und könne kein Ausgleich für die schlimmen Verletzungen der jungen Frau sein. Für viele Angeklagte gilt zudem als zum Tatzeitpunkt Heranwachsende das Jugendstrafrecht. Dabei steht nicht die Strafe, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund.

Becker machte auch deutlich, dass der Fall am Landgericht und nicht am Amtsgericht verhandelt werde, liege daran, dass die Staatsanwaltschaft der jungen Frau eine doppelte Aussage ersparen wollte und nicht an der Schwere des Delikts. Für Beteiligung an einer Schlägerei und Landfriedensbruch drohen Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Haft, für Körperverletzung Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft.

Illegale Feuerwerkskörper auf Menschen geschossen

Die sieben jungen Männer hatten sich laut Anklage gezielt verabredet. Sie hätten dabei Silvester ausgenutzt, um aus einer größeren Gruppe heraus gezielt Wachleute eines Diskothekenzentrums in der Kieler Innenstadt zu attackieren. Dabei sollen sie auch illegale Feuerwerkskörper auf die Menschen geschossen haben, die sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufhielten. Auslöser der Tat soll Ärger über ein kurz zuvor ausgesprochenes Lokalverbot gewesen sein. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft elf junge Männer angeklagt. Gegen drei von ihnen wurde das Verfahren aber gegen Geldauflagen eingestellt. Ein weiteres Verfahren ist am Amtsgericht anhängig.  

Schmerzensgeldforderungen im fünfstelligen Bereich

Zum Prozessauftakt schwiegen die Angeklagten zunächst zur Tat. Die Nebenklägerin macht gegen sie nach Angaben einer Gerichtssprecherin Schmerzensgeldforderungen in einem fünfstelligen Bereich geltend. Das Gericht hat acht weitere Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil könnte demnach Mitte März verkündet werden.  

Von dpa

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