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Kiel Fußgänger bezahlte mit dem Leben
Kiel Fußgänger bezahlte mit dem Leben
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08:00 21.09.2018
Von Thomas Geyer
Vorsätzlich herbeigeführte Unfälle: Der Angeklagte belastete mit seinem Geständnis einen 33-Jährigen als Drahtzieher einer Betrugsserie. Quelle: fotolia
Kiel

Gestern verurteilte das Kieler Amtsgericht den 29-Jährigen wegen Betrugs, Beihilfe zur Straßenverkehrsgefährdung und wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Zum ersten Prozessanlauf vor einer Woche war der Angeklagte nicht erschienen. Der Strafrichter erließ Haftbefehl (Kn-online berichtete). Im gestern abgeschlossenen Prozess kam der wieder auf freien Fuß gesetzte Versicherungsbetrüger im Rahmen eines Deals nur deshalb mit Bewährung davon, weil er mit seinem Geständnis einen 33-Jährigen als Drahtzieher einer groß angelegten Betrugsserie belastete. Der mutmaßliche Initiator der Serie von 33 vorsätzlich herbeigeführten Verkehrsunfällen wird nun erneut auf seine Verhandlungsfähigkeit untersucht. Zwischen Juli 2010 und Juli 2014 soll er mithilfe der vorsätzlich inszenierten Crashs rund 100000 Euro kassiert haben. Neben seinem gestern verurteilten Komplizen spannte der Drahtzieher zahlreiche weitere Helferinnen und Helfer aus seinem Umfeld ein, so der Vorwurf.

Die drei gestern abgeurteilten Unfälle ereigneten sich im Dezember 2012 und Januar 2013. Damals stellte der Angeklagte den Pkw seiner Mutter zur Verfügung. Der Drahtzieher setzte sich ans Steuer und ging zuerst an der Holtenauer Straße in Position, so das Urteil. Als seine in die Planung eingeweihte Ehefrau in einer BMW-Limousine der Oberklasse vorbeifuhr, gab er Gas und fuhr ihr in die Seite.

„Der Angeklagte nahm die Schuld auf sich“, so das Urteil. Er machte bei seiner Haftpflichtversicherung Schadensersatz geltend und kassierte im ersten Fall rund 4300 Euro. Davon will er wie in den anderen beiden Fällen nur rund zehn Prozent Provision erhalten haben. Wenig später ließen die Crasher im Berufsverkehr am Schützenwall einen Fiat Ducato gegen einen VW Golf knallen. Die Versicherung zahlte 2400 Euro. Schließlich krachte es an der Holstenbrücke, danach zahlte die Versicherung rund 4800 Euro Schadensersatz. Obwohl er von der erschlichenen Gesamtsumme nur einen Bruchteil behalten haben will, muss er laut Urteil den Gesamtbetrag zurückerstatten.

Im Fall des tödlichen Unfalls vom 17. März 2016 war der Kurierfahrer aus ungeklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn geraten. Auf der B 503 rammte er einen Pkw. Die Insassen, zwei Frauen, wurden schwer verletzt. Nach der Kollision schleuderte der Transporter auf einen Gehweg und erfasste einen Fußgänger. Das Opfer (75), ein emeritierter Jura-Professor und ehemaliger Richter am schleswig-holsteinischen Oberlandesgericht, erlag noch am selben Tag seinen schweren Verletzungen. Die fahrlässige Tötung schlug im Urteil mit neun Monaten zu Buche. An den Unfallhergang konnte sich der Angeklagte nach eigener Aussage nicht erinnern.

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