Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kiel Millionenbetrug bei Schiffsfinanzierung
Kiel Millionenbetrug bei Schiffsfinanzierung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:22 18.08.2018
Von Thomas Geyer
Die Dimensionen des mutmaßlichen Millionenbetrugs, den das Kieler Landgericht seit Donnerstag im Prozess aufzuklären versucht, sind für die schleswig-holsteinische Justiz ungewöhnlich. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Vor fünf Jahren sollen die Angeklagten einen Reeder in Bremen mit der Aussicht auf einen 152-Millionen-Euro-Kredit für den Schiffbau zur Zahlung von 7,63 Millionen Euro Provision veranlasst haben – ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Der geschädigte Reeder, der in dem mehrmonatigen Wirtschaftsprozess als Zeuge geladen ist, benötigte das Darlehen im Sommer 2013 für die Anschaffung von Containerschiffen und beschaffte dafür die Vermittlungsgebühr: Laut Anklage brachten neun Investoren die 7,63 Millionen zusammen und überwiesen die Summe in Teilzahlungen auf ein Treuhandkonto des mitangeklagten Rechtsanwalts. Auf den dafür zugesagten 152-Millionen-Kredit warten der Reeder und seine Geschäftspartner jedoch bis heute.

Deshalb muss sich der in U-Haft sitzende Schweizer jetzt wegen Betrugs im besonders schweren Fall vor der 6. Großen Strafkammer verantworten. Als Geschäftsführer eines Finanzdienstleisters mit Firmensitz im chinesischen Niedrigsteuer- und Glücksspielparadies Macao soll er sich dem Bremer Reeder unter dem Aliasnamen „Peter Studer“ vorgestellt haben.

Ihm soll der Finanzmakler vorgespiegelt haben, das gewünschte Darlehen vermitteln zu können. Laut Anklage ging es dem Schweizer dabei nur um die 7,63 Millionen Euro Provision, mit der er seinen ausschweifenden Lebensstil habe finanzieren wollen. Dem Kieler Rechtsanwalt wird Beihilfe zum besonders schweren Betrug vorgeworfen. Um dem Kreditgeschäft einen seriösen Anstrich zu verleihen, soll er ein Anderkonto zur Verfügung gestellt haben.

Förde Sparkasse stoppte die Teilzahlungen

Von der dort in neun Teilzahlungen eingegangenen Provision soll der Rechtsanwalt wiederum zehn Prozent – 763 000 Euro – einbehalten haben. Laut Anklage hatte der 56-Jährige bereits die Weiterleitung der erschlichenen Millionensumme avisiert. Die geplanten Überweisungen in sieben Teilbeträgen an Empfänger unter anderem in Hongkong, Liechtenstein, Paraguay, Rumänien und USA seien jedoch von der Förde Sparkasse gestoppt worden. Die Bank habe wegen Geldwäscheverdachts Anzeige erstattet.

Um den Anschein zu erwecken, die zugesagte 152-Millionen-Summe stehe dem Bremer Reeder vertragsgemäß zur Verfügung, soll der Schweizer Finanzmakler möglicherweise mithilfe weiterer, teilweise unbekannter Komplizen im Ausland die „Swift“-Mitteilung einer Bank in Litauen erwirkt haben. Die im internationalen Bankverkehr gebräuchliche Standard-Nachricht sollte laut Anklage fälschlicherweise suggerieren, der Auszahlung des Guthabens stehe nichts mehr im Wege.

Wie die Verteidigung zum Prozessauftakt mitteilte, weisen beide Angeklagte die Vorwürfe zurück. Sie würden sich „durch Schweigen verteidigen“, kündigte der Kieler Strafverteidiger Urs-Erdmann Pause an. Man strebe einen Freispruch an. Der Fall gehöre in den Bereich „Risikogeschäfte“, da könne auch schon mal etwas schiefgehen. Damit steht der Wirtschaftskammer eine umfangreiche Beweisaufnahme bevor. Bis Mitte November wurden zunächst 16 weitere Prozesstage terminiert.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zwei Männer müssen sich seit Donnerstag vor dem Kieler Landgericht in einem Betrugsverfahren um eine angebliche Schiffsfinanzierung verantworten. Zum Prozessauftakt wiesen ein Schweizer und sein mitangeklagter Rechtsanwalt die Vorwürfe zurück.

18.08.2018
Kiel Verschüttete Uni-Statuen - Teure Rückkehr für Platon und Co.

Der Verein „Kiels Gelehrtes Erbe“ glaubt an die Wiederauferstehung – im irdischen Sinn. Denn die vier im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörten Statuen von Aristoteles, Platon, Solon und Hippokrates sollen in Überlebensgröße wieder (fast) am angestammten Platz im Schlossgarten Aufstellung nehmen.

Jürgen Küppers 18.08.2018

Die Kieler Woche, eines der größten Sommerfeste in Nordeuropa: Mehr als drei Millionen Menschen, die in zehn Tagen in der Landeshauptstadt feiern - und dabei eine gewaltige Menge Abfall produzieren. Die sollte in diesem Jahr geringer, die Kieler Woche umweltverträglicher werden. Ob das geklappt hat?

Isabelle Breitbach 03.09.2018