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Kiel Kammer hebt Freispruch auf
Kiel Kammer hebt Freispruch auf
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18:45 27.11.2018
Von Thomas Geyer
Tatort Skandinaviendamm: An diesem Fußgängerüberweg zum Einkaufszentrum in Kiel-Mettenhof starb im Dezember 2015 ein Radfahrer beim Queren der Fahrbahn. Seitdem gilt hier Tempo 30. Quelle: Thomas Geyer
Kiel-Mettenhof

 Die Kammer verurteilte den 48-jährigen Angeklagten zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung. Als Auflage für die dreijährige Bewährungszeit muss der schon früher als Raser aufgefallene Transportunternehmer 4000 Euro Schmerzensgeld an die Witwe des getöteten Fahrradfahrers (49) zahlen. Der Angeklagte hatte seinen Golf nach einem Ampelstart auf Höhe des Einkaufszentrums mit aufheulendem Motor auf mindestens 88 km/h beschleunigt, als er laut Urteil viel zu spät auf den trotz Dämmerung gut sichtbaren Radfahrer reagierte.

Opfer wurde 30 Meter durch die Luft geschleudert

Dem erheblich alkoholisierten Opfer lastete das Gericht eine Mitverantwortung an. Der Radfahrer habe Tempo und Abstand des Pkw falsch eingeschätzt und hätte warten müssen, sagte die Vorsitzende Sabine Koch in der Urteilsbegründung. Der Ingenieur aus Kasachstan erlitt tödliche Verletzungen an Kopf, Wirbelsäule, Brust und Bauch. Er wurde laut Gutachten mehr als 30 Meter durch die Luft geschleudert und starb noch am Unfallort.

Laut Urteilsbegründung des Landgerichts hatte das Schöffengericht den Freispruch im Mai vergangenen Jahres auf eine falsche Berechnung gestützt. Es sei bei seinen Überlegungen zur Vermeidbarkeit der Kollision davon ausgegangen, dass dem Angeklagten nur ein Bremsweg von 18,4 Metern zur Verfügung stand. Die Berufungskammer legte mit Verweis auf eine BGH-Entscheidung eine längere Strecke zugrunde: Mindestens 35,6 Meter vor der Unfallstelle hätte der Angeklagte den Radfahrer auf dem mit Reflektoren ausgerüsteten Fahrrad bei völlig freier Sicht klar erkennen und reagieren müssen. Laut Gutachten war der Angeklagte sogar noch 54 Meter von dem viel frequentierten Übergang entfernt, als der Radfahrer den Mittelstreifen verließ.

Raser fiel auch nach dem tödlichen Unfall auf

Das Gericht zog den Führerschein ein und verhängte eine neunmonatige Sperre, die den Transportunternehmer besonders hart treffe. Seiner beruflichen Verantwortung sei er nicht nachgekommen, warf ihm die Vorsitzende vor.

Nicht nur früher fiel der vorbestrafte Mann schon als Verkehrsrowdy auf. Auch nach dem tödlichen Unfall, unter dem er angeblich selbst leidet, wurde er noch als Raser geblitzt – um 21 km/h zu schnell, mit dem Handy in der Hand.

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