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Kiel Rathaus Kiel: So viele Kranke wie nie
Kiel Rathaus Kiel: So viele Kranke wie nie
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15:29 13.02.2014
Von Martina Drexler
Die Fehlzeitenquote schnellt hoch: Rein rechnerisch fallen bei der Stadt Kiel jeden Tag 340 Vollzeitbeschäftigte aus. Quelle: hfr
Kiel

Im Jahr 2004 lag die Fehlzeitenquote, die die Ausfälle ab dem ersten Arbeitstag erfasst, noch bei 6,9 Prozent. Der Anstieg des Krankenstandes auf derzeit mehr als 27 durchschnittliche Fehltage im Jahr alarmiert Verwaltung wie Gesamtpersonalrat gleichermaßen. Dessen Gründe sind ihrer Ansicht nach vielfältig: Immer neue Aufgaben durch den Gesetzgeber, wie etwa der Ausbau der Kinderbetreuung, gleichzeitig zunehmende psychische Belastungen für Mitarbeiter, die täglich mit den wachsenden sozialen Problemen in der Stadt konfrontiert sind, dazu Stellenabbau durch den Sparzwang und eine drastisch steigende Anzahl von über 55-Jährigen (derzeit 954). Ältere Arbeitnehmer, macht Volker Rudnik, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats, klar, werden zwar nicht so häufig krank wie Jüngere, doch fallen sie aus, dauert ihre Gesundung in der Regel länger. So lag die Fehlzeiten-Quote bei den über 50-Jährigen bei 9,01 Prozent, bei den bis zu 30-Jährigen bei 4,85 Prozent. Vor allem 126 derzeit Langzeiterkrankte (über 30 Tage) treiben die Statistiken hoch und machen ein Fünftel der insgesamt 127.000 Fehltage aus.

Rudnik wie Personaldezernent Wolfgang Röttgers verweisen auf die soziale Verantwortung öffentlicher Verwaltungen mit ihren sicheren Arbeitsplätzen: Die Stadt will ihren Mitarbeitern bis zum Eintritt ins Rentenalter alters- und alternsgerechte Arbeitsplätze anbieten können. „Wir werfen Leute über 55 zu Lasten der Sozialversicherungen nicht heraus, wenn ihre Kräfte nachlassen“, prangert Rudnik das Vorgehen in manchen Privat-Betrieben an. Von Müllwerkern über Gärtner bis hin zum Straßendienst – im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen hat die Stadt solche körperlich anstrengende Aufgaben nicht ausgegliedert oder privatisiert.

Aber auch der psychische Arbeitsdruck falle in manchen Bereichen hoch aus, erläuterte Stadtrat Röttgers und nennt als Beispiel die zunehmenden Rettungseinsätze für die Feuerwehr. Erst komme der Aufgabenabbau, dann erst der Personalabbau, versichert er und will mit bereits begonnenen Gegenstrategien nach vorn schauen: Das Konzept „Verwaltung 2020“ setzt dabei auf verbesserte Arbeitsverteilung, Erleichterungen durch E-Government und IT-Lösungen sowie auf verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Kommunen. So sollen bis 2020 etwa 400 Stellen entfallen können. Gleichzeitig treibt die Stadt das betriebliche Gesundheitsmanagement voran. Dabei werden nicht nur vorhandene Bausteine von Suchthilfe über Konfliktmanagement bis hin zur Arbeitssicherheit gebündelt, sondern auch weitere Maßnahmen zur Gesundheitsförderung angeboten. Die Früchte der Maßnahmen werde man erst in zwei, drei Jahren ernten können, dämpft Röttgers überzogene Erwartungen.

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