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Kiel Müllwerker haben vermehrt Nager-Kontakt
Kiel Müllwerker haben vermehrt Nager-Kontakt
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10:56 28.12.2018
Von Petra Krause
Überquellende Tonnen und illegal zugestellter Müll locken Ratten an. Das ABK ist nicht verpflichtet Müll neben den Tonnen mitzunehmen. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
Kiel

In der Dämmerung, wenn sie die Tonnen aus so manchem Hinterhof ziehen, „kann man sie überall rumspringen sehen“, sagt Müllwerker Andreas Happe. „Mir ist eine mal ins Hosenbein gekrabbelt. Zum Glück nur bis zum Knie“, sagt der 35-Jährige. Solche und andere Vorfälle haben den ABK dazu veranlasst, sich verstärkt um das Thema Arbeitssicherheit zu kümmern.

„Unser vorrangiges Anliegen ist es, unsere Mitarbeiter zu schützen“, sagt Christian Schmitt, Technischer Leiter beim ABK. Rund 125 Müllwerker sind in Kiel im Einsatz. „Immer mehr beklagen den unzumutbaren Zustand. Das hat es so noch nicht gegeben.“ Die vier Müllwerker Andreas Happe, Pascal Bohse, Andy Borchert und Klaus Peter Bachhuber, die an diesem Donnerstagmorgen in Gaarden die grauen Tonnen leeren, hatten schon reichlich unangenehme Rattenbegegnungen. Dem 27-jährigen Andy Borchert sind schon so viele über die Arme gelaufen, dass er sich mit einem gewissen Ekel den Behältern nähert. Pascal Bohse sind sie schon über die Füße gesprungen. Der 25-Jährige fährt nicht nur in Gaarden den Müll ab, sondern im ganzen Stadtgebiet. „Aber hier ist es am schlimmsten“, sagt er. Klaus Peter Bachhuber wäre am liebsten sofort nach Hause gegangen, als ihm eine Ratte in die Kapuze hüpfte. „Ich fasse hier keine Tonne mehr an“, war seine erste Reaktion.

Die Meldungen von gesichteten Ratten haben sich verdoppelt

Das Rattenproblem ist im Ordnungsamt, wo alle Meldungen von Grünflächenamt, ABK, Tiefbauamt und den Bürgern zusammenlaufen, bekannt. "In den letzten zwei bis drei Jahren haben sich die Meldungen von Bürgern verdoppelt“, sagt Jenny Umbach, die beim Ordnungsamt derzeit eine Datenbank zum Rattenvorkommen anlegt. Anhand einer Stadtkarte soll das Auftreten visualisiert werden. Das Tiefbauamt führe ständig Vergiftungsmaßnahmen bei der Stadtentwässerung durch. „Eigentlich ist die Kanalisation ein unwirtlicher Lebensraum für Ratten. Aber alles Gute kommt vom oben“, so Ordnungsamtsleiter Frank Festersen. Vom Teller in die Toilette ist also absolut tabu.

Müll, falsche Entsorgung und Nachlässigkeit sorgen für das Problem

„Wir können sie nicht morgens füttern und abends vergiften“, beschreibt Festersen den Kern des Problems. Die Rattenproblematik sei ein von Menschen verursachtes Problem: „Wo es etwas zu fressen gibt, da sind auch Ratten. Und unser Umgang mit Nahrung ist nachlässiger geworden.“ Vor allem in Gaarden haben der herumliegende Müll und die falsche Entsorgung laut der Müllwerker zugenommen. In den Innenhöfen stapelt sich teilweise der Sperrmüll. Das Gerümpel dient den Ratten als exzellenter Unterschlupf. Im Restmüll befänden sich hier viel zu häufig Lebensmittel. Wenn die Container voll sind, werde der Müll einfach daneben gestellt. „Manche schmeißen die Säcke sogar einfach aus dem Fenster“, erzählt Happe. Bei so viel Speiseabfällen fühlen sich die Ratten wie im Schlaraffenland. Da viele Höfe offen seien, verteilten sich die Nager großflächig. „Dann ist eine Straße auch schnell verseucht“, so Happe. Momentan sei die schlimmste Ecke die Stoschstraße zwischen Jachmannstraße und Iltisstraße.

Alle 14 Tage müssen durchgenagte Tonnen ausgetauscht werden

Die Ratten nagen sich auch durch die mit Lebensmitteln gefüllten grauen Tonnen. „Viele der Behälter müssen alle 14 Tage ausgetauscht werden, so zerfressen sind sie dann“, erzählt Happe. Vor allem im Bereich der Griffe oder am Boden wird genagt – der Grund, warum sie den ABK-Mitarbeitern entweder über die Arme oder die Füße laufen. Für den gesamten städtischen Bereich hat Schmitt für die letzten acht Wochen 200 Stück der 240-Liter-Tonnen geordert.

Neben der Datenbank, um die Ratten-Hotspots darzustellen, soll künftig von gelben Säcken auf gelbe Tonnen umgestellt werden. Im nächsten Jahr wolle das Ordnungsamt erneut auf die Wohnungseigentümer und Hausverwalter zugehen. Beim letzten Versuch in Gaarden seien von 30 Eingeladenen nur sechs gekommen, so Amtsleiter Festersen. Außerdem möchte man mit Aktionen an Bürger herantreten. Letztlich aber gebe es nur eine Lösung: „Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir das Futter für die Ratten verknappen.“ Und das liege in der Verantwortung eines jeden einzelnen.

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