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Kiel Auf Wiedersehen, "Sailing Yacht A"
Kiel Auf Wiedersehen, "Sailing Yacht A"
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18:55 03.02.2017
Von Ulrich Metschies
Die Sailing Yacht "A" verlässt Kiel. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

„Es ist vollbracht – unsere atemberaubende Segeljacht ,A’ ist bereit, ihre Segel zu setzen und die sieben Weltmeere fortan zu erkunden.“ So schön blumig hatte die Werft Nobiskrug am Dienstag die Medien zur großen Abschiedsfeier eingeladen. Gestern dann mit „großem Bedauern“, aber ohne jede Begründung, die Ausladung der Öffentlichkeit.

Rechts im Zelt fand das Abschiedsfest statt. Quelle: Niklas Wieczorek

Nach Informationen der Kieler Nachrichten hatte die Werft eigenmächtig eingeladen - und dann die Presse wieder ausladen müssen. Nun verabschiedet sich am Sonntag die größte Segeljacht der Welt, deren Baufortschritte die Menschen in Kiel trotz maximal möglicher Tarnung und Abschottung mit emotionalem Interesse verfolgten – inklusive hitziger Debatten über die Optik dieses ungewöhnlichen Neubaus mit spezialbeschichtetem, silbrig glänzendem Rumpf, Wulstbug und seinen drei bis zu 100 Meter hohen abgeknickten Masten.

Die "A" ist fertig. Quelle: Niklas Wieczorek

Innen und außen drückte der französische Designer Philippe Starck der „A“ seinen Stempel auf. Doch statt der Eleganz einer Segeljacht sehen nicht wenige Betrachter in diesem Schiff die einschüchternde Optik eines Militärfahrzeuges oder die einer schwimmenden Kommandozentrale, in deren komfortablem Wohnbereich der Bösewicht eines James-Bond-Streifens kalt lächelnd eine Perserkatze krault.

 Aber Andrej Melnitschenko (44) ist natürlich nicht so ein Bösewicht, sondern Mehrheitsgesellschafter des Energie- und Chemiekonzerns EuroChem, mit 20000 Mitarbeitern und Produktionsstätten in Russland und Litauen einer der größten Düngemittelhersteller in Europa. Und die 142 Meter lange „A“ wirkt auch nur äußerlich wuchtig. Das hochgezogene Heck umrahmt den Wohn- und Privatbereich über zwei Decks. Glaswände, dezente Verzierungen sowie lichtdurchflutete Räume sind die Markenzeichen des Neubaus. Goldene Wasserhähne? Fehlanzeige. Schlichtheit ist Trumpf.

 Und natürlich absolute Perfektion. Beim Bau und der Beschichtung des Rumpfes wurde strikt darauf geachtet, dass sich die großen ovalen Scheiben an den Seiten des Aufbaus in Farbe und Form nicht vom Rumpf abheben. Oval ist auch der große Pool, der zwischen dem Vormast und dem Hauptmast in das Oberdeck eingelassen wurde und von zwei geschwungen Treppen umrahmt wird. Das Deck ist von der Bugspitze bis zum Heck mit Teakholz bedeckt.

 Worauf der Eigner verzichtet hat, ist der Hubschrauber. Umso beeindruckender der Bootspark: Hinter ausklappbaren Stahlluken finden sich diverse Motorboote, Jetski und auch ein kleines Tauchboot für die Erkundung von Riffen und Wracks.

 Wenn die „A“ am Freitag ab 14 Uhr am Liegeplatz der zu Nobiskrug gehörenden Kieler Werft German Naval Yards offiziell verabschiedet wird, folgt das letzte Kapitel eines der spektakulärsten Neubauprojekte deutscher Werften. Fast genau fünf Jahre ist es her, dass in der Fertigungshalle der Werft die ersten Stahlplatten zerschnitten wurden. Es war am 40. Geburtstag Melnitschenkos, der sich mit diesem Neubau den Traum von einem großen Segelschiff mit einer außergewöhnlichen Silhouette erfüllen wollte. Die letzten Probefahrten endeten in der vergangenen Woche auf der westlichen Ostsee. Dabei absolvierte das Schiff noch einmal Höchstgeschwindigkeiten von über 20 Knoten.

Hier sehen Sie Bilder von der "Sailing Yacht A"

 Nicht nur die Ausladung der Presse dokumentiert, dass Melnitschenko kein Kunde ist wie jeder andere. Als der Konzernchef merkte, dass seine Traumjacht unter ihrem Projektnamen „White Pearl“ weltweit für Schlagzeilen sorgte, ging ihm das enorm gegen den Strich, und er ließ im Herbst 2015 seine Anwaltskanzlei in London tätig werden: Alle Zeitungen, TV-Sender und Agenturen wurden unmissverständlich darüber informiert, dass dieses Schiff „Sailing Yacht A“ zu heißen habe. Der Name "A" steht nicht - wie immer angenommen - für Aleksandra or Andrey Melnitschenko. Nach Auskunft des Eigners wurde der Name gewählt, damit das Segelschiff in den Schiffsregistern als erstes genannt wird.

 Ein Bild haben die Kieler bislang nicht zu sehen bekommen: die „Sailing Yacht A“ unter vollen Segeln. Nur einzelne Segel wurden im Oktober 2016 in der Strander Bucht getestet. Eine Fahrt unter Segeln soll es erst später geben. Hauptantrieb des Schiffes sind ohnehin die beiden 20-Zylinder-Maschinen, die eine Leistung von fast 10000 PS haben sollen.

 Fragt sich noch, was denn der Düngemittel-König für seinen Traum hat hinblättern müssen. Das ist natürlich streng geheim. Wendet man die Faustregel an, dass ein Meter Edeljacht rund eine Million Euro kostet, dann käme man auf rund 140 Millionen Euro. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass dieses Schiff sich nicht an Regeln hält.

Von Ulrich Metschies und Frank Behling

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