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Kiel Schritte auf dem Kieler Weg zur Demokratie
Kiel Schritte auf dem Kieler Weg zur Demokratie
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19:27 23.10.2009
Kiel

Die Revolution hatte ihren Ursprung in Wilhelmshaven, da dort Matrosen gegen eine aus ihrer Sicht sinnlose letzte Todesfahrt gegen England meuterten. Doch es war die Stadt Kiel, wohin die vermeintlichen Rädelsführer in Arrest gebracht worden waren, die deutsche Geschichte schrieb. Wer heute in der Stadt nach Spuren der Novemberrevolution sucht, findet nur wenige: So erinnert lediglich eine schlichte Gedenktafel an der Vorderfront des früheren Landesverbandssitzes der Arbeiterwohlfahrt in der unteren Feldstraße daran, dass kaisertreue Soldaten dort den Zug stoppen wollten und in die Menge schossen. Die Aufständischen erwiderten das Feuer: Sieben Menschen starben, 27 wurden verletzt.

Losgezogen war der Zug am 3. November 1918 auf dem „Großen Exerzierplatz im Vieburger Gehölz“ - heute der Bereich rund um den Fernsehturm, in unmittelbarer Nähe einer 150 bis 200 Jahre alten Rotbuche. Schon vor einigen Jahren hatten Spaziergänger in deren Baumkrone in etwa sechs Meter Höhe Initialen, einen Reichsadler und einen Sextanten eingeritzt entdeckt. Hier haben sich, vermutet nicht nur Franz Heckrodt vom Verein Altes Hassee, die Matrosen versammelt und in der Rinde des Baumes verewigt. Historisch belegt ist das zwar nicht, doch vieles spricht dafür. „Können wir das inhaltlich absichern, wird eine Gedenktafel aufgehängt“, meint Rainer Pasternak, Kulturreferent der Stadt, nachdem er zusammen mit Projektmitarbeiterin Judith Selck die Inschriften inspiziert hat. Beide entwickelten das Konzept für die erste städtische Gedenkveranstaltung an den Matrosenaufstand. Die Ratsversammlung hatte der Verwaltung im vergangenen Juni den Auftrag gegeben, in Zusammenarbeit mit Schulen, Gewerkschaften, Parteien und anderen gesellschaftlichen Gruppen den Demonstrationszug von der Waldwiese, Bahnhof, Holstenstraße, Brunswiker Straße bis in die untere Feldstraße nachzustellen. An verschiedenen Orten entlang dieses „Kieler Weges zur Demokratie“ sollen in jährlicher Abfolge Gedenkstellen entstehen. Die Buche wäre dann eine solche geschichtliche Informationsstelle im Sinne einer offenen Dauerausstellung an der Strecke.

Nach der Demonstration am 3. November 1918 weitete sich der Aufstand bis zum Generalstreik aus. Es wurden Arbeiter- und Soldatenräte gegründet. Der Berliner SPD-Abgeordnete Gustav Noske löste als Vorsitzender des Soldatenrats den Militärgouverneur Admiral Souchon ab, was das Ende der Monarchie einläutete. Am 9. November dankte Kaiser Wilhelm II ab.

Bis heute flammt zuweilen der politische Streit darüber auf, ob die Matrosen nur einfache Meuterer oder Helden der Geschichte waren. Eines aber stellt kein Historiker in Frage: Die Unruhen konnten sich nur deshalb so schnell ausbreiten, da in der Kieler Bevölkerung großer Hunger und Verzweiflung herrschten. Der Aufstand damals sei ein herausragendes Ereignis über die Stadtgrenzen hinaus gewesen, das politische Signal für das Ende der Monarchie, stellt Pasternak fest: „Die Kieler sollten sich mehr mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzen“.

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