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Kiel Ein Shop, der überall aufpoppen kann
Kiel Ein Shop, der überall aufpoppen kann
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11:04 02.11.2016
Von Anne Steinmetz
Seit September betreiben sie den Popshop: Myriam Lemberger (Raum Station), Nikola Noelle, Anne-Lena Cordts (Raum Station) und Ramin Büttner. Auf dem Foto fehlen Elena Rast und Michael Helten. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Altstadt

„Wir wollten mit der Geschichte des Ortes spielen und irgendwas mit der Fassade machen“, erzählt Nikola Noelle und blickt auf die Hauswand. Im September hat die 29-Jährige gemeinsam mit fünf Freunden hier ihren Popshop eröffnet. Ein Ort, an dem sie Kunstausstellungen zeigen, Comics und Getränke verkaufen und immer mal wieder zu besonderen Veranstaltungen einladen. Alles aber zeitlich begrenzt: „Wir haben eine Vereinbarung mit den Vermietern, dass wir den Laden bis Ende des Jahres nutzen können.“ Für diese Zeit zahlen sie keine Miete, sondern nur die anfallenden Nebenkosten. „Für die Vermieter bedeutet das, dass der Laden nicht leer steht, die Gegend belebt wird und vielleicht ist der Popshop ja sogar Werbung für das Geschäft“, sagt Noelle.

Sich Räume aneignen und umdeuten – das ist das Ziel der Initiatoren des Popshops. Deshalb habe es auch so gut gepasst, dass der Laden in der Schuhmacherstraße liegt, sagt Noelle. Mitten im Rotlichtviertel also, keine Gegend, in der Kunstausstellungen die Regel sind. „Viele Leute kommen immer noch rein und denken, es gibt hier Currywurst“, sagt Noelle lachend. Denn bevor der Popshop einzog, war in dem Ladenlokal lange Zeit ein Imbiss.

"Voll der Fremdkörper"

Als sich Nikola Noelle im Sommer auf die Suche nach einem geeigneten Leerstand machte, war noch nicht klar, dass der Popshop entstehen würde. „Ich wollte unbedingt eine Ausstellung machen und habe mich deshalb nach geeigneten Räumen umgeschaut.“ Erst mit dem Laden in der Schuhmacherstraße sei die Idee für den Popshop entstanden. „Ich habe mit vielen Leuten darüber gesprochen, den Laden gezeigt und überlegt, was man damit machen könnte.“ Jeder habe seine Ideen eingebracht und schließlich haben sie alle gedacht: Wir machen das jetzt einfach. Innerhalb von einer Woche haben sie dann den alten Imbiss ausgeräumt, gestrichen, Möbel gebaut und ein Kulturprogramm für den Popshop geplant. Währenddessen seien immer wieder Leute aus der Nachbarschaft vorbeigekommen und haben nachgefragt, was sie machen. „Wir sind hier ja voll der Fremdkörper. Aber die Reaktionen waren durchweg positiv“, sagt Noelle. Außerdem habe diese Wechselwirkung mit den Anwohnern und der Nachbarschaft von Anfang an zum Konzept gehört. „Wir wollten aufmachen und Leute teilhaben lassen, an dem, was wir machen und auch an der Entwicklung des Popshops.“ Auch mit dem Namen ihres Ladens wollten die sechs Popshop-Betreiber Bezug nehmen auf das Rotlicht-Viertel. „Einerseits erinnert der Name an die hier umliegenden Sex-Shops. Gleichzeitig soll das „Pop“ aber auch zeigen, dass der Laden immer wieder irgendwo anders aufpoppen kann“, erläutert Nikola Noelle. Denn auch das Umziehen, die Nutzung verschiedener Leerstände in der Innenstadt und die Belebung verschiedener Gegenden gehört zum Konzept des Popshops. „Wir wollen nicht in eine gemütliche Starre verfallen. Das Prozesshafte und Fluide, das auch bedeutet, das eigene Konzept immer wieder infrage zu stellen, gehört zum Popshop dazu.“

Ob der Popshop im neuen Jahr aber tatsächlich woanders eröffnen wird, steht im Moment noch in den Sternen. Denn außer dem Getränkeverkauf haben die Betreiber keine Einnahmen. „Das ist eine Nullnummer. Gerade am Anfang haben wir sogar noch zuschießen müssen“, sagt Noelle. Deshalb haben sich die Sechs um eine Förderung aus dem städtischen Fonds „Gemeinsam Kiel gestalten“ beworben. „Ich weiß im Moment noch nicht, ob wir ohne die Förderung weitermachen“, sagt Noelle und zuckt die Achseln. Dabei hätten sie alle noch weitere Ideen, und genügend Leerstände in der Innenstadt kennen sie auch.

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