Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kiel Auch mit Knopf im Ohr nicht allein
Kiel Auch mit Knopf im Ohr nicht allein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:47 21.04.2016
Von Christian Trutschel
Malen für die Kieler Woche: Jakob, Lilli (verdeckt), Carlotta und Paul (von links), unterstützt von Lillis und Carlottas Mutter Karen Losse, am Himmel für das Ritterburgenbild. Quelle: Sonja Paar
Kiel

„Ich freue mich, dass diese Gruppe da ist“, sagte Maike Wiechmann, Projektleiterin Spiellinie an der Förde-VHS. „Das ist der Kerngedanke von Spiellinie, dass alle Kinder gemeinsam etwas schaffen.“ Elke Schmidtpeter, freiberufliche Museumspädagogin und Dozentin an der VHS-Kunstschule, hatte in den mehr als zehn Workshops, die sie bisher auf Kieler Wochen anbot, „nur sehr selten Kinder mit einer Hörschädigung – soweit ich das mitbekommen habe“. Doch gestern musste sie weder ihre kräftige Stimme heben noch Gebärdensprache können, als sie ihren neuen Kunstschülern erklärte, worum es gleich gehen würde: eine Burg zu malen. Denn alle Kinder mit Hörschädigung hatten entweder Hörgeräte oder Cochlea-Implantate (CI) und verstanden sie offensichtlich gut. Die Kinder ohne Knopf im Ohr oder im Kopfhaar waren die hörenden Geschwisterkinder.

Näher kamen sich alle auf Knien beim gemeinsamen Entwerfen und Malen. Schnell wurden auf den eben noch einheitlich braunen Platten blauer Himmel, die Umrisse einer Burg und grünes Vorland erkennbar. Das Thema der Spiellinie dieses Jahres ist ein mittelalterliches: „Ritter Kruse auf der Drachenkoppel“.

„Wenn die Hörschädigung früh entdeckt und versorgt wird, dann ist eine annähernd normale Sprachentwicklung der Kinder möglich, und sie können im Kindergarten die Regelgruppen und in der Schule die Regelklassen besuchen“, erklärte Hildegard Voshaar, Sonderschullehrerin am Landesförderzentrum Hören und Kommunikation in Schleswig. An diesem Zentrum wurden oder werden alle Kinder mit Hörschädigung betreut, die am Donnerstag aus Hohenwestedt, Neumünster, Gettorf, Felde und Bistensee zum Malen nach Kiel gekommen waren. „Wir sind dabei, von Anfang an und bis zum Schulende“, sagte Voshaar, die selbst die Frühförderung übernimmt und als Motivator diesmal auch den elfjährigen Maurice mit seiner Mutter dazu gebeten hatte. Er bekam das erste Cochlea-Implantat, als er drei war, das zweite mit sechs. „Als er so alt war wie die dreijährige Carlotta neben ihm, hat er noch nicht so gut gesprochen“, sagte seine Mutter, Annette Steffen. Und er selbst bestätigte, dass die kleinen Geräte ihn überhaupt nicht störten, „ich trage sie ja auch schon so lange.“ Als er zweieinhalb war, erzählte seine Mutter, „diagnostizierte ein junger Arzt am UKSH in Kiel: Ihr Sohn ist taub.“ Und dann ließ er uns stehen. Ein Professor in Lübeck bestätigte zwar die Diagnose, sagte aber dazu, dass das heute gar nicht mehr so schlimm sei.“ Ein halbes Jahr hätten sie und ihr Mann damals gebraucht, um zu verstehen und zu akzeptieren. „Maurice könnte mal ein toller Selbsthilfegruppenleiter werden“, so Voshaar. „Wenn Kinder inklusiv beschult werden an ihrem Wohnort, ist das schön. Aber eines wird zu wenig gesehen: dass diese Kinder auch das Bedürfnis haben zu sehen, dass sie nicht die Einzigen mit einem Knopf im Ohr sind.“ Auch das sei der Sinn dieses Treffens zum Malen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Junge Eltern hatten am Donnerstag einen harten Tag. Warnstreik im öffentlichen Dienst: Es blieben auch viele Türen der städtischen Kindertageseinrichtungen geschlossen. Nur vier Kitas im gesamten Kieler Stadtgebiet hatten regulär geöffnet. Acht Einrichtungen boten zudem einen Notdienst an.

Kristiane Backheuer 21.04.2016

Tausende Beschäftigte haben sich am Donnerstag in Schleswig-Holstein an einem Warnstreik im öffentlichen Dienst beteiligt. Allein in Kiel zogen rund 1500 Teilnehmer mit Trillerpfeifen und Transparenten durch die Innenstadt.

Kristiane Backheuer 21.04.2016
Kiel Serie Kieler Originale - Er trommelt schon seit „Waterloo“

Im Raum stehen zwei Schlagzeuge, Trommeln in unterschiedlicher Größe liegen auf einem Tisch, daneben an der Wand hängen unzählige Becken in verschiedenen Größen und Formen. Jeder, der diesen Raum betritt, erkennt sofort: Hier wird Schlagzeug gespielt.

Anne Steinmetz 21.04.2016