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Kiel Darum war die Bombe so gefährlich
Kiel Darum war die Bombe so gefährlich
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11:05 07.12.2018
Von Jördis Merle Früchtenicht
Reste von Plastik und Metall liegen nach der Sprengung einer britischen Fliegerbombe auf dem Sprengungsloch. Quelle: Frank Molter/dpa
Kiel

So dramatisch war es noch nie: Munitionsexperten haben am Donnerstagabend auf einem Minigolfplatz in Kiel-Gaarden eine britische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt. Die Sprengung verzögerte sich um etwa zwei Stunden, da sich entgegen der Anweisungen der Behörden vereinzelt noch Anwohner im Sperrgebiet aufhielten.

Ursprünglich hatten alle Anwohner im Umkreis von 500 Metern zum Fundort das Sperrgebiet bis zum frühen Abend verlassen sollen, damit die 250-Kilo-Bombe kontrolliert gesprengt werden konnte. Auch ein Altenpflegeheim wurde evakuiert.

Hier sehen Sie Bilder von der Evakuierung in Kiel-Gaarden.

„Die Lage ist brisant und anders als bei allen anderen Entschärfungen, die wir je hatten“, schilderte Polizeisprecher Oliver Pohl die Situation. Alle verfügbaren Kräfte wurden deshalb in das Einsatzgebiet gelotst. 

Die Bombe war gefährlicher als alle anderen

Für den Kampfmittelräumdienst war der Einsatz außergewöhnlich. Normalerweise werden Blindgänger in Kiel gefunden, die Bevölkerung mit Vorlauf gewarnt und die Bomben dann vor Ort entschärft - wie zuletzt am Bremerskamp. Doch in diesem Fall war es anders.

"Das war eine der gefährlichsten Bomben der vergangenen Jahrzehnte", sagte Polizeisprecher Oliver Pohl. Die 250-Kilo-Bombe in der Pickertstraße in Kiel hätte jeder Zeit explodieren können. Deshalb war es auch so wichtig, die Anwohner schnellstmöglich aus dem Sperrbereich in Sicherheit zu bringen.

Die Bombe lag auf dem Minigolfplatz in einer Tiefe von vier Metern. Sie konnte nicht entschärft werden, weil sie über einen Langzeitzünder verfügte und der Schlagbolzen bereits vorgespannt war.

Auf die Bombe wurden zwei Wassersäcke gelegt. Sie umfassten jeweils 10 Tonnen Wasser. Durch die Säcke sollte die Explosion gedämmt werden - aber auch die Flammen gelöscht werden, die durch die Sprengung entstehen.

Zum Nachlesen:
Die Bombensprengung in der Pickertstraße

Sprengmeister Oliver Kinast war sehr zufrieden mit der kontrollierten Sprengung. "Wir konnten die Druckwelle direkt nach oben leiten und deshalb größere Schäden vermeiden."

Der Knall war dennoch zu hören, die Druckwelle in der näheren Umgebung zu spüren. Was übrig blieb: Viel Matsch, ein paar zerborstene Dachfenster und ein paar kaputte Dachziegel.

Alliierte flogen Luftangriffe auf Kiel

Die Bombe war vermutlich am 23. Juli 1944 über Kiel abgeworfen worden. Wegen der auf dem Kieler Ostufer ansässigen Rüstungsindustrie stand die Landeshauptstadt im Fokus. Die Alliierten flogen schwere Luftangriffe.

Mehr als 49000 Tonnen Bomben wurden im Zweiten Weltkrieg als Bomben auf Schleswig-Holstein abgeworfen. Zwei Drittel davon auf Kiel.

Ein Foto von der letzten Bombe

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