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Jedes dritte Kind in Kiel ist arm

Studie Jedes dritte Kind in Kiel ist arm

Die Zahl armer Kinder steigt wieder an. Bundesweit kletterte sie laut einer Studie um 0,7 Prozentpunkte auf 19,7 Prozent. Schleswig-Holsteins kreisfreie Städte liegen noch deutlich darüber. Allein in Kiel gelten derzeit 9300 Kinder als arm - das sind 30,4 Prozent.

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Wenn die Eltern keine Arbeit haben, rutschen auch die Kinder in die Armutsfalle.

Quelle: Fotolia/lassedesignen

Kiel. Eric Seils, Sozialexperte der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, erklärt sich den Anstieg der Zahlen in erster Linie mit der verstärkten Zuwanderung: Er fordert eine intensive Qualifizierung der Eltern, um sie in Arbeit zu bringen. Denn das entscheide auch über die Armut von Kindern. Das sieht Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken (SPD) ähnlich: Kinder gerieten leicht in den Strudel der Langzeitarbeitslosigkeit der Eltern, sagt er und plädiert für eine Kinder-Grundsicherung ebenso wie für einen sozialen Arbeitsmarkt: Mit diesem Instrument könnten für bisher nicht mehr vermittelbare Erwerbslose öffentliche Gelder als Lohn oder Lohnzuschuss für längerfristige Jobs gezahlt werden: "Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren, ist keine Frage der politischen Farbenlehre, sondern eine der Vernunft."

Kiels Sozialdezernent will eine Kinder-Grundsicherung

Lag die Kinderarmut im Juni 2012 in Kiel laut Böckler-Stiftung bei 24,9 Prozent, so stieg sie in diesem Jahr auf mehr als 30 Prozent an. Den stärksten Zuwachs in Schleswig-Holstein erlebte demnach Flensburg von fast 20 Prozent auf 26,4 Prozent. Die selbe Quote verzeichnet derzeit Lübeck, das im Juni 2012 noch einen Anteil von 23,4 Prozent hatte. In Neumünster wuchs der Anteil armer Kinder von 20,4 Prozent auf fast 25 Prozent.

Angesichts der neuen Höchststände schlägt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Kiel-Region Alarm: Für den Kieler DGB-Chef Frank Hornschu belegen die Daten, dass offenbar immer mehr Kinder und ihre Eltern von der verbesserten Wirtschaftsentwicklung abgekoppelt sind: Dies zeige, wie notwendig gute Arbeitsbedingungen und eine kostenfreie Bildungsinfrastruktur seien.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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