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Kiel Symbol für jüdisches Leben in Kiel
Kiel Symbol für jüdisches Leben in Kiel
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18:26 12.01.2010
Kiel

Erst Herzog Christian Albrecht setzte Ende des 17. Jahrhunderts durch, dass sich Juden in Kiel ansiedeln konnten. 1782 entstand das erste jüdische Gebetshaus in der Kehdenstraße - ein ehemaliges Kaffeehaus der Universität -, bis die Gemeinde 1869 in die größere dreistöckige Synagoge in der Haßstraße umzog. Von ihr ist nur noch ein Teil des Erdgeschosses als Ruine erhalten.

Aber auch dieses Haus wurde bald zu klein, so dass die Gemeinde einen Neubau plante. Nachdem sie das Grundstück zum Vorzugspreis von 13425 Mark von der Stadt gekauft hatte, beauftragte sie den Kieler Architekten Johann Theede, „mit immerhin beschränkten Mitteln ein Gebäude zu schaffen, das doch als monumentales zu gelten habe“, zitierten die „Kieler Neuesten Nachrichten“.

Unter den geladenen Gästen der Einweihungsfeier waren der damalige Oberbürgermeister Fuß, Stadtverordnete und der Oberrabbiner aus Wandsbek. In seinen Erinnerungen beschreibt der Kieler Jude Leo Bodenstein den imposanten Zentralbau mit Kuppel als „sehr schönes Gebäude“, das auch als Unterrichtsraum diente und im Keller ein rituelles Tauchbad vorhielt. Der Betsaal im Hauptgeschoss fasste nach Angaben des Stadtarchivs 300 Menschen, die Empore im Obergeschoss fast 100, darunter auch 24 Sänger. 1926 wurde der Hof überdacht und ein Steh- und Wannenbad eingebaut.

Als zwölf Jahre später in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Judenverfolgung der Nazis begann, war die Gemeinde auf etwa 600 Mitglieder angewachsen. In den frühen Morgenstunden versammelten sich SA-Männer und Polizisten vor der Synagoge, legten Feuer, zündeten Brandbomben. 55 Juden kamen ins Gefängnis. Im Ermittlungsbericht hieß es später: Brandursache unbekannt. „Die Ereignisse von damals wirken in den Nachlebenden fort“, mahnte Stadtpräsidentin Cathy Kietzer bei der Gedenkveranstaltung 2008. Nicht nur Kristallleuchter seien damals zu Bruch gegangen, sondern auch Recht und Zivilisation. Gerade deshalb müsse sichergestellt werden, dass so etwas nie wieder passiere.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das jüdische Leben fast erloschen: Viele Juden waren geflohen oder in Konzentrationslagern ermordet worden. Aufgrund der geringen Anzahl von Gläubigen im ganzen Land wurde die Verwaltung der jüdischen Belange für Schleswig-Holstein 1968 an die Jüdische Gemeinde in Hamburg übertragen.

Das änderte sich erst, als nach dem Zusammenbruch des Ostblocks viele osteuropäische Juden einwanderten. Heute gibt es zwei selbstständige jüdische Gemeinden in Kiel: eine hat ihr Gotteshaus in der Wikingerstraße (Jüdische Gemeinde Kiel und Region), die andere in der Jahnstraße am Schrevenpark, nur wenige Meter von der früheren Synagoge entfernt.

Derzeit leben 550 Juden in Kiel. Fast so viele wie vor dem Krieg, stellt Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der jüdischen Gemeinde Kiel und Region, der etwa 450 fast ausschließlich aus Osteuropa eingewanderte Juden angehören, erfreut fest. Das Gedenken an die Einweihung der Synagoge vor 100 Jahren ist für sie daher nicht nur ein Zeichen gegen das Vergessen, sondern auch dafür, dass in Kiel jüdisches Leben wiedererstanden ist.

„Die Zeiten haben sich geändert“, sagt die Geschäftsführerin auch mit Dankbarkeit gegenüber der Stadt, zu der man eine „tiefe und gute Beziehung“ pflege. Ihre Hoffnung ist, dass irgendwann auch wieder eine große Synagoge in Kiel steht.

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