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Kiel Eltern wenden sich an Justizministerin
Kiel Eltern wenden sich an Justizministerin
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13:59 23.09.2018
Auf ihrem Grab in Nordrhein-Westfalen ist ein Foto der auf der „Gorch Fock“ ums Leben gekommenen Soldatin Jenny Böken zu sehen. Quelle: dpa (Archiv)
Kiel

Im Fall der vor zehn Jahren ums Leben gekommenen „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken haben sich die Eltern an Schleswig-Holsteins Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) gewandt. Ein Ministeriumssprecher sagte am Sonntag, er habe bisher keine Kenntnis von dem Schreiben.

Über ihren Aachener Anwalt Rainer Dietz beantragten die Eltern, die Ministerin solle das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein anweisen, statt der Kieler eine andere Staatsanwaltschaft mit der Prüfung des kürzlich gestellten Antrags auf Wiederaufnahme der 2009 eingestellten Ermittlungen zu beauftragen.

Fall Jenny Böken: Ist Neutralität gewahrt?

Der mit der Prüfung beauftragte Oberstaatsanwalt als auch die gesamte Staatsanwaltschaft Kiel brächten „nicht die notwendige Unvoreingenommenheit und Neutralität“ entgegen, „die es ermöglichen, unbefangen mit neuen Erkenntnissen in dieser Sache umzugehen und diese adäquat zu (bewerten)“, heißt es in dem zwölfseitigen Antrag mit Datum 17. September 2018, der der DPA vorliegt. Verwiesen wird unter anderem auf angeblich unvollständige Akten oder unzulängliche oder fehlerhafte Ermittlungen.

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, warum Jenny Böken starb

Die Todesumstände der 18-Jährigen, die während einer Ausbildungsfahrt des Segelschulschiffs "Gorch Fock" in der Nacht zum 4. September 2008 bei einer Wache über Bord ging, sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Der Leichnam wurde erst nach elf Tagen aus der Nordsee geborgen. Die Ermittler halten ein Unglück für am wahrscheinlichsten. Die Eltern sehen jetzt Hinweise sogar für einen Mord - gestützt auf eine eidesstattliche Aussage eines früheren Kadetten.

Der am 2. September 2018 gestellte Antrag auf Wiederaufnahme der Ermittlungen befindet sich in der Vorprüfung der Kieler Staatsanwaltschaft. In etwa zwei bis drei Wochen soll nach Angaben eines Sprechers vom Freitag feststehen, ob die Ermittlungen wieder aufgenommen werden oder nicht.

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In dem Schreiben an die Ministerin moniert der Anwalt, die Staatsanwaltschaft Kiel habe lediglich nach der Telefonnummer des Zeugen nachgefragt für eine staatsanwaltliche Vernehmung. Offensichtlich nicht beabsichtigt sei eine Vernehmung im Rahmen der eidesstattlichen Versicherung. „Gerichtliche Kontrolle ist bei einem solchen Vorgehen nahezu ausgeschlossen“, kritisiert der Anwalt.

Die Staatsanwaltschaft Kiel wolle sich mit einem Vorprüfungsverfahren begnügen, „in dessen Rahmen sie selbst und eigenmächtig beurteilen darf, ob sie ein Wiederaufnahmeverfahren betreiben will oder nicht“.

Wurde Jenny Böken erdrosselt?

In der eidesstattlichen Erklärung hat nach Angaben des Anwalts der frühere Kadett erklärt, kurz nach dem Auffinden der Leiche von Jenny Böken hätten ihn mehrere Männer - darunter Marineangehörige - in einer Kaserne besucht. Sie sollen angedeutet haben, dass die junge Frau erdrosselt worden sei. Der Anwalt sagte, die Personen müssten für die Behörden identifizierbar sein und angehört werden.

Der Verfasser der Eidesstattlichen Erklärung war laut Dietz während der Ausbildungsfahrt nicht auf der „Gorch Fock“ gewesen. Der Mann habe nach eigener Aussage mit Jenny Böken zuvor auf einer Party in Düsseldorf in alkoholisiertem Zustand Sex gehabt. Filmaufnahmen davon seien auf der „Gorch Fock“ kursiert, habe Jenny Böken ihm am Telefon noch erzählt, berichtete Dietz aus der Eidesstattlichen Erklärung. Jenny Böken habe gedroht, das Kursieren der Aufnahmen zu melden.

Leiche wurde von Vater eines Kadetten obduziert

Dietz nannte noch weitere Aspekte, die eine Wiederaufnahme der Ermittlungen aus seiner Sicht notwendig machen: Die Marine habe erklärt, es sei nicht mehr zu klären, wer nach Jenny Böken Wache hätte schieben müssen. Dies sei nicht glaubwürdig, die in Frage kommenden Personen seien nach seinem Informationsstand nicht befragt worden.

Zudem sei der Obduzent der Leiche der Vater eines Kadetten, der in der Todesnacht Bordwache auf der „Gorch Fock“ hatte. Daher sei der Vater befangen. Und: In der Lunge sei kein Wasser gewesen, so dass Jenny Böken bereits vor dem Sturz in die Nordsee tot gewesen sein könnte, argumentiert der Anwalt.

Von dpa/KN-online

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