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Kiel Drängler geht in Berufung
Kiel Drängler geht in Berufung
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15:00 29.09.2018
Von Thomas Geyer
Im Prozess um einen blutigen Streit zwischen zwei Autofahrern hat das Kieler Amtsgericht einen 38-Jährigen zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Quelle: Angelika Warmuth
Kiel

Der Drängler hatte am Himmelfahrtstag 2017 einen unbewaffneten Autofahrer laut Urteil mit einem Messer attackiert, nachdem dieser ihn bei einem Ampel-Stopp wegen eines riskanten Überholmanövers gemaßregelt hatte.

Im Prozess wies der wegen Körperverletzung vorbestrafte Angeklagte die Vorwürfe zurück und drehte den Spieß um: Er behauptete, der Zeuge (25) habe ihn am Steuer mit einer schwarzen Pistole bedroht und nach kurzer Verfolgungsfahrt in Kiel-Ellerbek mit einem Beil angegriffen. Es sei ihm gelungen, den Gegner zu entwaffnen. Dabei müsse sich dieser an der „rasiermesserscharfen Klinge“ verletzt haben.

Rechtsmedizinerin schließt Beilhieb aus

Zur Überprüfung dieser Darstellung hatte die Richterin für den zweiten Verhandlungstag eine Sachverständige geladen. Die Direktorin des Instituts für Rechtsmedizin am UKSH, Prof. Johanna Preuß-Wössner, schloss einen Beilhieb als Ursache für einen zehn Zentimeter langen Schnitt am Oberschenkel des Opfers aus. Sie bezweifelte zudem, dass ein auch noch so scharfes Beil die feinen Hautverletzungen am Zeigefinger und an der Brust des Zeugen hinterlassen haben könnte.

Vergebens hatte der arbeitslose Angeklagte in den Kauf eines Demonstrationsobjekts investiert, mit dem er seine Unschuld untermauern wollte. An der Sicherheitsschleuse des Amtsgerichts musste er das Beil abgeben. Später holte es der Staatsanwalt in Robe an der Pforte ab, nachdem der Verteidiger auf seiner Begutachtung bestanden hatte.

Kampfsport im Gerichtssaal

Unruhe machte sich im Saal breit, als der aufgeregt erscheinende Angeklagte die angebliche Entwaffnungsszene vorführen wollte. Die Richterin bestand auf Sicherung der Klinge durch die mitgelieferte Hülle. Dann vollführte der Angeklagte eine kampfsportartige Drehung, während er mit dem Beil zwei kurze Hiebe ausführte.

„Ausgeschlossen!“, stellte die Sachverständige danach kopfschüttelnd fest, „das kann ich nicht nachvollziehen.“ Der zehn Zentimeter lange Schnitt am Oberschenkel des Opfers und die kleinere Schnittwunde an seiner Brust wiesen trotz angeblicher Beilhiebe keinerlei Traumatisierung der Wundränder auf. „Das entspricht nicht rechtsmedizinischer Erfahrung.“

Nächste Runde vor dem Landgericht

Die Verteidigung forderte dennoch Freispruch und kündigte unmittelbar nach der Sitzung Berufung gegen das Urteil an. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Haft ohne Bewährung gefordert und erwägt ebenfalls Rechtsmittel. Demnach wird der Prozess demnächst vor dem Kieler Landgericht in die zweite Runde gehen.

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