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Kiel Hier können Radler Gas geben
Kiel Hier können Radler Gas geben
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00:16 22.03.2014
Von Günter Schellhase
Susanne Drews freut sich über den fertig gebaute Abschnitt der Veloroute 10 zwischen Hasseldieksdammer Weg und Kronshagener Weg. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Die Veloroute 10 soll im kommenden Jahr fertig werden und den Citti-Park mit der Universität verbinden. Radschnellwege entstehen auch andernorts. Es gibt viele gute Gründe, die Bedingungen für Fahrradfahrer zu verbessern.

 Der Radverkehr gewinnt von Jahr zu Jahr an Bedeutung. Die steigenden Spritpreise und die Bewegung in der freien Natur sind Gründe, warum immer mehr Bürger auf die Zweiräder umsatteln. Zudem bringen die Hersteller immer leichtere und modernere Räder auf den Markt, die in der Stadt eine echte Alternative zu Pkw und ÖPNV darstellen. Eine Boom gibt es bei den Pedelecs (Elektroräder), mit denen sich problemlos längere Distanzen überwinden lassen, ohne ins Schwitzen zu kommen. Mittlerweile gibt es sogar Lastenräder mit E-Antrieb, die ein Auto beim Einkauf überflüssig machen.

 Nordrhein-Westfalen hat diesen Trend vor Jahren erkannt und plant zwischen Duisburg und Hamm einen 85 Kilometer langen Radschnellweg. Bundesweit bisher einmalig: „In Göttingen gibt es eine vier Kilometer lange Strecke für Elektroräder, der von Bundesverkehrsministerium gefördert wurde“, sagte Kiels Fahrradverkehrsbeauftragter Uwe Redecker bei einem Vortrag der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft. Großes Vorbild derartiger Projekte sind die Niederlande, die außerhalb von Ortschaften 675 Kilometer Schnellwege bis zum Jahr 2025 realisieren wollen.

 Diese Verkehrsinfrastruktur ist haushaltspolitisch interessant: „Radschnellwege lassen sich schneller und kostengünstiger realisieren als Straßen“, erklärte Redecker.

 Die Schnellbahnen sollten eine Breite von vier Metern haben und fünf Kilometer lang sein. Wenig Stopps und eine gute Beleuchtung sind ebenso wichtig wie Vorfahrt an Kreuzungen und eine klare Trennung zu Fußgängern. „Eine enge Verzahnung mit dem öffentlichen Verkehr ist wünschenswert, damit den Verkehrsteilnehmern das Umsteigen auf Bus und Bahn leicht gemacht wird“, sagte Kiels oberster Radler.

 Das trifft fast alles auf die sechs Meter breite Veloroute 10 zu. Eine eindeutige Beschilderung erklärt den Vorrang für Radler, Fußgänger dürfen die Trasse benutzen, müssen aber bei viel Verkehr die Fahrbahn verlassen. Longboarder und Skater werden geduldet, sofern es keine Probleme gibt. Kommendes Jahr soll die V10 auf einer Gesamtlänge von fast fünf Kilometern fertig werden. In diesem Jahr, so erklärte der ehemalige Tiefbauamtsleiter Uwe Schmeckthal im jüngsten Bauausschuss, sollen die Brücken über die Eckernförder Straße und die Gutenbergstraße hergerichtet werden. Parallel dazu laufe die Umweltverträglichkeitsprüfung für die geplanten Abschnitte im Grünen.

 Alle Ausschussmitglieder wünschen eine schnelle Fertigstellung. Die Brücken sollten attraktiv gestaltet werden, damit sie den Autofahrern bewusst ins Auge fallen. Für den ersten Kilometer der Radautobahn in der Landeshauptstadt gibt es nicht nur von den Politikern positive Resonanz: „Das ist meine Rennstrecke. Vorher musste ich immer den Westring zu meiner Arbeit in der Wik entlangfahren“, sagte Susanne Drews, die sich freut, wenn die ganze Rennbahn fertig ist. Wolfgang Meyer radelt das ganze Jahr über zur Arbeit und ist froh: „Hier kann ich die Natur genießen und ungestört fahren.“

 Das ist auf den 18 Fahrradstraßen mit zehn Kilometern Länge nicht immer möglich, weil sie durch Wohngebiete führen und für den Pkw-Verkehr mit Tempo 30 freigegeben sind. Diese Straßen sind Bestandteil der zehn Velorouten. Die Stadt geht immer mehr dazu über, Radstreifen auf Straßen zu markieren und die Benutzungspflicht für Radwege aufzuheben. Redecker: „Radverkehr ist Fahrverkehr und gehört auf die Fahrbahn.“

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