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Kiel Award für Muthesius-Absolvent
Kiel Award für Muthesius-Absolvent
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10:35 10.10.2018
Von Kristiane Backheuer
Kleine Entwicklung, großer Preis: Der Kieler Muthesius-Absolvent Gabriel Müller gewinnt mit seinem Projekt „Cevec“ den James Dyson Award auf nationaler Ebene. Quelle: Privat
Kiel

Für sein Projekt befragte der Gabriel Müller Seenotretter in Laboe, sprach mit Kieler Notärzten und Rettungsmedizinern vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Heraus kam nun ein dreiteiliger Katheter, der für den Einsatz in Notfällen ausgelegt ist. Er lässt sich einfach und vor allem schnell handhaben, ist auch für ungeübte Nutzer verständlich und kann sogar bei rauer See auf dem Schiff gesetzt werden.

Masterstudiengang „Medical Design“

Wie man auf so eine Idee kommt? Gabriel Müller lacht. „Eher durch Zufall“, sagt er. Mit Medizin hatte der nun fertige Industriedesigner bisher nie was am Hut. Als es in seinem Masterstudiengang an der Muthesiusschule beim „Medical Design“ um Zukunftskonzepte geht, überlegt er nicht lange. Das Meer vor der Tür, das Schiff der Seenotretter im Blick begibt er sich an Bord und nimmt das medizinische Equipment unter die Lupe. „Herkömmliche Venenkatheter bestehen aus einer Vielzahl von Instrumenten“, erzählt der gebürtige Karlsruher. „Im Notfall kann das zu ziemlicher Verwirrung führen. Wenn dann auch noch kräftiger Seegang herrscht, ist es fast unmöglich, einen Katheter an Bord zu setzen.“

Dokumentationen über Notärzte sieht er sich an, lässt sich am UKSH zeigen, wie man Katheter handhabt, spricht mit Fachleuten. „Mit einem Katheter kann man im Notfall schnell Medikamente verabreichen. Dadurch gelangen sie sofort in den Vorhof des Herzens“, erzählt er. „Im Krankenhaus wird so ein Venenkatheter ruck zuck platziert, dann vernäht. Für den Notfall wollte ich das System aber vereinfachen, denn die meisten Ärzte verzichten bei unvorhersehbaren Bedingungen auf die Katheterlegung.“ Nach vielem Herumprobieren in den Werkstätten der Muthesiusschule kann Gabriel Müller das vielteilige System nach und nach straffen. Drei Teile sind nun alles, was nötig ist. Kein Nähen mehr, stattdessen wird der Katheter verklebt. „Auch das spart Zeit. Zeit, die lebensrettend sein kann“, so der Preisträger, der seine Entwicklung „Cevec“ nennt – eine Abkürzung für den englischen Ausdruck central venous catheter (Zentralvenöser Katheter).

Feedback von Ärzten und Sanitätern

Während der Entwicklung holt sich Gabriel Müller immer wieder das Feedback von Ärzten und Sanitätern. An dem Schaumstoffmodell eines menschlichen Halses übt er. Schließlich ist sein Produkt bestehend aus dem Port, einer Spritze und dem eigentlichen Katheter fertig. Flexible Materialien machen zudem den Einsatz einfacher. „Ein Notarzt mochte vor allem die Verwendung von sterilen Klebeflächen und wie das Design das Nähen überflüssig macht“, erzählt der Industriedesigner.

Auch Prof. Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Kieler Institut für Rettungs- und Notfallmedizin, findet das Projekt äußerst spannend. „Wir freuen uns über Innovationen, die in der Notfallmedizin eine noch bessere und sicherere Patientenversorgung insbesondere bei zeitkritischen Situationen ermöglichen und sind gespannt auf die Praxiserfahrungen mit diesem neuen Tool.“ Diese Praxiserfahrung soll möglichst bald gesammelt werden. Nach der Auszeichnung mit dem Dyson-Award, der in Designkreisen viel Ansehen bringt und mit 2200 Euro dotiert ist, will Gabriel Müller jetzt bei Unternehmen anklopfen. „Dank dieser Auszeichnung bin ich hochmotiviert.“ Ob er sich nun selbst zutraut, seinen Venenkatheter im Notfall zu platzieren? „Nein“, winkt er lachend ab. „Dazu würde trotzdem eine ärztliche Ausbildung notwendig sein.“

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