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Kiel Walter Jonat verlässt UKSH
Kiel Walter Jonat verlässt UKSH
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19:39 26.03.2015
Von Martina Drexler
Als Direktor der Uni-Frauenklinik räumt er seinen Schreibtisch: Prof. Walter Jonat wird aber auch nach dem 1. April weiter an der Erforschung von Krebserkrankungen und neuen Therapieformen arbeiten. Quelle: Frank Peter
Kiel

Als Prof. Walter Jonat im Oktober 1995 den Lehrstuhl für Gynäkologie und Geburtshilfe übernahm, trat der Hamburger in große Fußstapfen. Denn er folgte Prof. Kurt Semm nach, der von Kiel aus den Siegeszug der minimal-invasiven Eingriffe (Schlüsselloch-Operationen) vorantrieb. Jonat machte sich für deren Weiterentwicklung auch mit Einsatz von Robotertechnik stark. Doch neben der Modernisierung der Geburtshilfe (im Kieler Uni-Klinikum werden im Jahr im Durchschnitt 1400 bis 1500 Kinder geboren) setzte er seinen Schwerpunkt auf die Erforschung der Krebserkrankungen und neuer Therapieformen.

 „Wir alle zusammen haben dazu beitragen können, dass wesentlich mehr Patientinnen am Leben bleiben“, sagt er. Am allermeisten hat er dabei den Frauen zu verdanken: „Ich hatte das Glück, dass mir viele Frauen mit existenziellen Erkrankungen Vertrauen geschenkt haben und etwa an Studien teilnahmen.“ Nur dadurch seien solche Fortschritte zu erzielen, erklärt er mit Hinweis auf Statistiken: Jedes Jahr erkranken 75000 Frauen in Deutschland neu an Brustkrebs. Während zu den Zeiten, als er vor fast 20 Jahren von Hamburg nach Kiel wechselte, für 35 Prozent der Patientinnen die Erkrankung tödlich verlief, überleben heute 80 Prozent mindestens zehn Jahre. Verbesserte Diagnosemethoden machen Vorstufen der Tumore früh und rechtzeitig erkennbar. Vor allem aber kommen neue Medikamente individuell und gezielt zum Einsatz, von „denen wir vor 20 Jahren nur geträumt haben“. Nicht nur die Überlebensrate stieg, es ist heute auch möglich, den erkrankten Frauen deutlich mehr brusterhaltende und plastische Operationen anzubieten.

 „Ich habe einen wunderbaren Beruf“, meint Jonat, „denn ich begleite die ganze Spanne des Lebens der Frauen.“ Von den für Mütter glücklichsten Augenblicken, wenn sie ihr neugeborenes Baby im Arm halten können, bis zum bitteren Ende, wenn er akzeptieren musste, den Kampf gegen die Krebserkrankung als Arzt verloren zu haben. In solch schwierigen Momenten hilft ihm sein Lebensmotto: „Durch gemeinsames Gestalten gewinnen“. Zusammen mit dem „unglaublichen Einsatz“ der früheren Gesundheitsministerin Heide Moser, die an Brustkrebs erkrankt war, und seiner Kollegin Prof. Ingrid Scheer ebnete Jonat landesweiten Screening-Programmen wie Quamido den Weg. Mehrfach wurde er ausgezeichnet, wie etwa mit der Verleihung der Heinrich-Bauer-Medaille und der Berufung zum Senator der Deutschen Akadmie der Wissenschaften.

 Wird er sich jetzt mehr Zeit für die Familie und das Privatleben nehmen, das auch Frauen prägen? Schließlich ist Jonat Vater zweier Töchter und mittlerweile Großvater von fünf Enkelinnen. Er lasse den Ruhestand auf sich zukommen, meint er: „Ich höre ja nicht auf, Arzt zu sein. Das ist eine Lebensaufgabe.“ Und so steht für den stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden der Deutschen Krebshilfe außer Frage, dass er auch als Emeritus forscht – in der Hoffnung auf weitere Fortschritte: „Wir werden die Impfung beim Krebs erleben“, ist er überzeugt.

 Seinen Nachfolger Prof. Nicolai Maass kennt Jonat bereits von Kindesbeinen an. Denn Maass, bisher Klinikdirektor in Aachen und ebenfalls Krebsspezialist, ist der Sohn von Jonats Doktorvater Heinrich Maass. Jonat wiederum war Lehrer für den jungen Maass: Von 1996 bis 2008 arbeitete dieser an der Kieler Uni-Frauenklinik, zuletzt als Leitender Oberarzt und Stellvertreter Jonats.

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