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Kiel Fragen und Antworten zum Phänomen Shisha
Kiel Fragen und Antworten zum Phänomen Shisha
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12:00 17.01.2018
Von Alev Doğan
Cihan Gergin arbeitet in der Shisha-Bar "Prestige 31" am Kieler Bootshafen. Quelle: Frank Peter
Kiel

Wie wirkt die Shisha auf die Gesundheit?

Eine Wasserpfeife zu rauchen, beeinträchtigt auf mehrere Arten die Gesundheit: Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nehmen Raucher hohe Mengen an Kohlenmonoxid, Benzol, Nikotin und Teer auf – einige Stoffgruppen sind nachweislich krebserzeugend. Im Rauch seien außerdem gesundheitlich bedenkliche Metalle zu finden. Vor diesen Risiken schütze das den Rauch teilweise filternde Wasser nicht.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) warnt: Shisha-Rauchern sei ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen der Herzgefäße nachzuweisen, ihre Kinder kämen häufiger mit niedrigerem Geburtsgewicht zur Welt. In Shisha-Runden gebe es Risiken ansteckender Krankheiten wie Tuberkulose, Hepatitis und Herpes. Austauschbare Mundstücke schützten oft nur begrenzt, da auch Bakterien in den Schläuchen nachgewiesen wurden. Das DKFZ bewertet das Rauchen der Wasserpfeifen insgesamt als nicht weniger schädlich als Zigaretten. Auch eine Passivrauchbelastung sei nachweisbar: Das Kohlenmonoxid beispielsweise wird nicht mit dem Rauchen, sondern auch über die Luft aufgenommen.

Dr. Barbara Isensee vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung sieht ein ähnliches Gesundheitsrisiko, schätzt die Shisha-Suchtgefahr trotz ähnlich niedriger Rauschwirkung allerdings geringer ein als beim regelmäßigen Zigarettenrauchen. „Die Tabaksorten mit den unterschiedlichsten Aromen wecken Neugierde und Experimentierfreude – was insbesondere für Jugendliche attraktiv ist“, beschreibt Isensee. Dadurch übten sie eine ungleich höhere Anziehungskraft auf junge Menschen aus, was auch an dem meist gemütlichen Rahmen unter Freunden oder dem ästhetischen Reiz in Shisha-Bars liege. Außerdem werde in Fachkreisen diskutiert, ob Wasserpfeifen ein potenzieller Einstieg in das Zigarettenrauchen sind.

Was müssen Gastronomen beachten?

Shisha-Bars sind keine eigene Betriebsart, weshalb es nach Bauordnung und Gaststättenrecht keine speziellen Vorgaben gibt. In Schleswig-Holstein fordert das Ordnungsamt der Stadt Kiel derzeit, dass gesetzliche Regelungen eingeführt werden. In den vergangenen Wochen mussten zahlreiche Shisha-Bars nach Kontrollen der Behörden geschlossen werden, weil zu viel Kohlenmonoxid in der Luft lag.

In Kiel hat die Feuerwehr als Brand- und Gefahrenschutzbehörde schon im Jahr 2015 „Mindestanforderungen für den Betrieb einer Gaststätte mit Shisha-Angebot“ erlassen. Gefordert ist „eine mechanische Gastraumbe- und -entlüftung“, die eine Fachfirma für eine Rauchergaststätte abnehmen muss. Laut Ordnungsamt könnten für Sisha-Bars allerdings strengere Regeln notwendig sein. Grundsätzlich fordert die Behörde ein verbindliches Prüfverfahren, das für alle Gastronomien mit Wasserpfeifen gelten soll. Sammelt sich zu viel gefährliches Kohlenmonoxid (CO) in der Luft, soll ein Warnmelder anspringen. Laut Mindestanforderungen der Feuerwehr muss ein Gerät pro 50 Quadratmeter Gastraumfläche vorhanden sein. Einen weiteren Melder müssen Gastronomen im Zubereitungsraum für die Pfeifen anbringen. Erreicht die CO-Konzentration der Luft 0,005 Prozent, senden die Melder einen Alarm nach 60 bis 90 Minuten, bei 0,01 Prozent nach 10 bis 40 Minuten, bei 0,03 Prozent innerhalb von drei Minuten. Allerdings hatten auch einige der Kieler Lokale Warnmelder, die wegen zu hoher Werte geschlossen wurden. Ob diese nicht funktionierten oder ausgeschaltet waren, blieb unklar. Einen langfristigen Nachweis aufgezeichneter Werte muss eine Bar nicht liefern.

„Die Gesundheit ist eigentlich nur bedroht, wenn man die Regeln nicht beachtet“, sagt Deniz Tamir, Eigentümer der Bar „Prestige 31“ am Kieler Bootshafen. Bei ihm finden sich vier Lüftungsanlagen auf 63 Quadratmetern um den Luftaustausch zu gewährleisten. „Ich finde es gut, dass die Stadt die Einhaltung der Regeln strikt verfolgt. Es geht schließlich um die Gesundheit“, sagt Tamir. Sein Mitarbeiter Cihan Gergin erklärt sich die Faszination rund um Shisha mit der besonderen Atmosphäre: „Man verbringt Zeit mit seinen Freunden, und es ist einfach entspannt.“

Was passiert jetzt nach so vielen Schließungen in Kiel?

Der Kieler SPD-Landtagsabgeordnete Bernd Heinemann hat mit seiner Fraktion einen Antrag eingebracht: Die Regierung soll demnach in der Sitzung am 24. Januar einen mündlichen Bericht über die Gesundheitsgefahren in Shisha-Bars geben. Laut Heinemann sind dafür Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) oder Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) gefragt. Der gesundheits- und suchtpolitische Sprecher Heinemann wünscht sich eine Aussage der Regierung, ob sie Handlungsbedarf sieht. Auch in der Ratsversammlung ist das Thema Shisha-Bars in Kiel auf der Agenda. 

Von Alev Doğan und Niklas Wieczorek

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