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Kiel Wo Bakterien ihren Job machen
Kiel Wo Bakterien ihren Job machen
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06:00 04.10.2018
Von Karen Schwenke
Die Maus im Wasserwerk Schulensee: Blick in einen Filter der neueren der beiden Anlagen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Wasser ist nicht gleich Wasser. In jedem Fall schmeckt das, was bei den Kielern aus der Leitung kommt definitiv anders als das, was im Wasserwerk Schulensee frisch aus 180 Meter Tiefe ankommt: „Boah – das ist komisch“, sagt der zehnjährige Fritz und verzieht sein Gesicht. Hingegen findet der gleichaltrige Malte „den metallischen Geschmack ganz gut“.

Die Aufbereitung des Grundwassers zum Kieler Trinkwasser faszinierte am Ende nicht nur die Schüler, sondern vor allem ihre Eltern. „Es ist ja bekannt, dass das Kieler Trinkwasser eine Top-Qualität hat, aber wenn man es sogar schon trinken kann, bevor es gereinigt wird, fragt man sich natürlich, wovon es überhaupt noch gereinigt wird“, sagt Tim Fenten, Vater des zehnjährigen Jonathan. Die Antwort auf diese Frage konnten Eltern und Kinder mit allen Sinnen aufnehmen. Nach der Kostprobe des ziemlich eisenhaltigen Kieler Grundwassers führt Gunnar Bandholz die Gruppe durch das alte Wasserwerk, vorbei an vergilbten Kacheln, treppauf und treppab.

Wasser schon in der Rohform keimfrei

Im Hintergrund dröhnen die Pumpen, es zischen die Filteranlagen und Betriebsmeister Bandholz, der für alle vier Kieler Wasserwerke verantwortlich ist, erklärt mit lauter Stimme, dass das Wasser Jahrzehnte bis Jahrhunderte gebraucht hat, um durch die Gesteinsschichten in 180 Meter Tiefe zu sickern und auf dem Weg dorthin schon gefiltert wurde und viele Mineralien aufgenommen hat. „In der Rohform ist es absolut keimfrei und von bester Qualität, aber es ist eben noch kein Trinkwasser.“ Dafür enthält es zu viel Eisen und Mangan.

Und schon ist die neugierige Eltern-Kind-Gruppe in der Filterhalle angekommen. Für empfindliche Nasen kein schöner Ort. „Hier riecht es nach faulen Eiern“, stellt ein Mädchen fest. „Das ist Schwefel“, stimmt Betriebsleiter Bandholz ihr zu und schaltet das Licht in der Halle aus. Hinter Glasscheiben spielt sich ein faszinierendes Schauspiel ab. Es stinkt nicht nur, es sprudelt und spritzt. Zum ersten Mal ist Wasser in großen Mengen zu sehen. Wie ein beleuchteter Springbrunnen, in Wahrheit aber ein Planschbecken für Bakterien. Bakterien? „Ja, sie tun den wichtigsten Job“, erklärt Bandholz. „In den Filtern sind Organismen, die von Mangan und Eisen leben. Wir verdüsen das Wasser, damit die Organismen diese Nährstoffe zusammen mit dem Sauerstoff durch ihren Stoffwechsel umwandeln: Zuerst geht das Eisen raus, dann wird das Ammonium über Nitrit zu Nitrat gewandelt, und ganz unten wird Mangan zersetzt.“ Bei diesem Prozess wird der stinkige Schwefel freigesetzt.

Bewusste Entscheidung gegen Entkalkung

Übrig bleibt ein brauner Schlamm, der entsorgt wird. „Würden wir das Wasser ohne Bakterien über den Filterkies jagen, würde es nahezu unverändert wieder rauskommen“, so Bandholz. Deswegen haben die Stadtwerke bei der Sanierung der Filteranlagen in den vergangenen sechs Jahren den Quarzkies nicht komplett ausgetauscht, sondern ein Drittel gelagert und wieder eingesetzt. Die Bakterien haben die Hungerzeit gut überlebt, sich wieder vermehrt und sorgen nun wieder für das gut gefilterte Kieler Trinkwasser in Bioqualität. Einziger Minuspunkt ist die Wasserhärte. Doch die Stadtwerke haben sich bewusst gegen eine Entkalkung entschieden und für die rein biologische Aufbereitung – also für chemiefreies Trinkwasser, ganz ohne Metallgeschmack und ohne braune Eisenablagerung. Den Bakterien sei Dank.

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