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Bastian Modrow zu den Sophienhof-Vorfällen

Kommentar Bastian Modrow zu den Sophienhof-Vorfällen

Was für ein Trauerspiel! Nach den Belästigungen von drei jungen Frauen im Kieler Sophienhof hatten Landespolizei und Innenministerium gestern die große Chance, bezüglich ihrer widersprüchlichen, in Teilen sogar falschen Angaben zum Tathergang im Innen- und Rechtsausschuss des Landtages reinen Tisch zu machen.

Doch die Verantwortlichen versteckten sich hinter Beschwichtigungen. Von einer „Stresssituation für die Polizei“ war die Rede und von dem erklärten Ziel, gerade nach den Ereignissen von Köln in der Silvesternacht „offensiv und proaktiv“ über Vorfälle berichten zu wollen. Grundsätzlich ist dies der richtige Ansatz. Genau diese Transparenz fordert die Öffentlichkeit ein!

Nur entbindet das die Polizei nicht davon, sich der Tragweite ihrer Äußerungen bewusst zu sein, Fakten von Eventualitäten von Anfang an klar zu trennen. Im konkreten Fall war es erst die (im Nachhinein) falsche Mitteilung des Kieler Polizeisprechers, dass die Mädchen von 20 bis 30 Männern „belästigt, beobachtet und verfolgt“ worden seien, die bundesweites Aufsehen ausgelöst hatte. Nicht nur die „Tagesschau“, auch die Kieler Nachrichten haben sich auf diese Aussagen der Polizei verlassen müssen. Erst diese Tatsachenbehauptung knüpfte Parallelen zu Vorfällen wie Köln. Diesen Fauxpas nun mit dem lapidaren Satz abzutun, man hätte in der Mitteilung besser den Konjunktiv wählen sollen, ist hilflos. Ob die professionelle Schulung der Behördensprecher die Lösung ist, bleibt abzuwarten. Ein offensives und selbstkritisches Krisenmanagement wäre sehr viel effektiver.

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Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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Sophienhof-Vorfälle
Foto: Die Massagesessel in der Verweilzone des Sophienhofs wurden abgebaut: Hier hatten sich in den vergangenen Monaten vor allem junge Flüchtlinge getroffen und den kostenlosen Internetzugang genutzt.

Wie lange kann, wie lange darf die Polizei eine so brisante Nachricht wie die über die Belästigung dreier junger Frauen im Kieler Sophienhof zurückhalten – auch auf die Gefahr hin, dass ihr dabei Fehler unterlaufen? Nur sehr kurz, stellte Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) am Mittwoch fest.

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