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Bastian Modrow zum Streik bei der Post

Kommentar Bastian Modrow zum Streik bei der Post

Man muss kein Freund von Gewerkschaften sein. Man kann auch trefflich darüber streiten, ob die von Verdi geforderten kürzeren Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich im Zustellsektor zeitgemäß sind oder nicht.

Unstrittig ist allerdings, dass Gewerkschaften das Recht haben, all ihre zur Verfügung stehenden Mittel auszukosten, um das Maximum für ihre Mitglieder zu erzielen. Streiks sind ein legitimes Mittel, Druck auf Arbeitgeber auszuüben und der Bevölkerung zwangsweise zu verdeutlichen, dass bestimmte Dinge eben nicht selbstverständlich sind.

Klar, das tut weh und nervt gewaltig! Züge, die nicht fahren, Kindertagesstätten, die geschlossen bleiben – oder eben Briefkästen, die leer bleiben. Wichtig ist nur ein fairer Umgang der Kontrahenten miteinander – und das Verhalten der Post wirft dabei mehr und mehr Fragen auf. Rechtlich mag es zulässig sein, wenn Beamte als Streikbrecher eingesetzt werden. Aber moralisch? Jedes Verständnis verspielt die Post, wenn befristete Mitarbeiter unter Druck gesetzt oder (wie in Kiel) Beschäftigte eiligst und unvermittelt mit Abmahnungen überzogen werden, weil sie auf eine strittige Betriebsvereinbarung zum Thema Mehrarbeit pochen.

All das zeugt von keinem guten Stil und bedarf dringender Aufklärung. Zwar ist die Deutsche Post seit 20 Jahren nicht mehr in Besitz des Staates, noch immer hält er allerdings ein Fünftel aller Aktien des Logistikunternehmens. Entsprechend ist der Bund gefordert, seine Vorbildfunktion wahrzunehmen und für Fair Play zu sorgen.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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Rund um Kiel bleiben in den kommenden Tagen die meisten Briefkästen leer: Brief- und Paketzusteller der Deutschen Post sind am Mittwoch in einen viertägigen Warnstreik getreten. Hunderttausende Sendungen bleiben liegen.

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