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Bastian Modrow zum Thema Flüchtlingskinder

Leitartikel Bastian Modrow zum Thema Flüchtlingskinder

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren nicht mehr so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Hunger: Die Vereinten Nationen sprechen gegenwärtig von mehr als 60 Millionen Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben ihre Heimat verlassen haben. Deutschland erlebt dabei einen Zustrom von Flüchtlingen wie seit den 1990er Jahren nicht mehr.

Das ist ohne jeden Zweifel eine kolossale Herausforderung – für die Politik ebenso wie für die Gesellschaft. Zumal es dabei längst nicht nur darum geht, den vor Tod und Elend geflüchteten Menschen ein sicheres Dach über dem Kopf zu bieten. Ein neues Problem offenbart sich. Viel intensiver als bisher muss ein Hauptaugenmerk denjenigen gelten, die zu den Schwächsten unter den Schwachen zählen und am meisten unter den traumatischen Erlebnissen vor, während und nach einer Flucht um die halbe Welt leiden: den Kindern.

Immer häufiger sind es sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die die Polizei um Hilfe bitten oder sich in den Erstaufnahmeeinrichtungen anmelden. Auch dazu haben die Vereinten Nationen Zahlen veröffentlicht, die alarmierend sind: Zwischen sechs und zehn Millionen Kinder und Jugendliche sollen es sein, die ohne den Schutz von Eltern und Angehörigen, ohne Fürsprache und Obhut von vertrauten Erwachsenen unterwegs in eine neue Welt sind. Was viele von ihnen während ihrer Odyssee erleiden, erleben, mitansehen müssen, übersteigt die Grenzen des Erträglichen.

Bislang kümmern sich die Jugendämter im Zuge des Kinderschutzgesetzes um die unbegleiteten Flüchtlingskinder, wenn sie in Deutschland ankommen. Auf der Suche nach betreuten Jugendwohngruppen oder Pflegefamilien stoßen die Behörden aber an ihre Grenzen, es gibt zu wenig Plätze für zu viele Flüchtlinge. Viele Kommunen sind mit der Aufgabe überfordert. Es mangelt an pädagogischem Personal in den Verwaltungen: Die notwendige individuelle Hilfe für Kinder und Jugendliche, traumatische Erlebnisse aufzuarbeiten, gibt es häufig gar nicht oder nicht im erforderlichen Maße. Die Folge sind nicht selten Vereinsamung und Isolation, Gewalt und Kriminalität. Entsprechende Beispiele von Einzelschicksalen aus Städten wie Berlin, Bremen oder Hamburg gibt es leider zuhauf.

Schleswig-Holsteins SPD-Sozialministerin Kristin Alheit hat das Problem erkannt, hat den Schutz und die Betreuung junger Flüchtlinge zur Chefsache erklärt. Mit eigenen zentralen Einrichtungen, mit der Unterstützung von Kommunen und Hilfsorganisationen, will sie ein Konzept realisieren, mit dem sie nicht nur bundesweit eine Vorreiterrolle einnimmt, sondern zugleich auch nachhaltig dafür kämpft, dass die Kinder und Jugendlichen tatsächlich eine Chance auf das Leben bekommen, für das ihre Eltern sämtliche Ersparnisse geopfert und für das sie ihre Söhne und Töchter schweren Herzens auf eine lebensgefährliche Reise geschickt haben.

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Allein auf der Flucht
Ohne Familie in Deutschland: Die Zahl unbegleiteter Flüchtlinge steigt immer weiter.

Immer häufiger suchen Kinder und Jugendliche, die allein und ohne Begleitung von Eltern oder Angehörigen aus ihrem Land geflohen sind, Hilfe in Schleswig-Holstein. Das Land will für sie jetzt spezielle Unterkünfte einrichten. „Die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen erfordert von uns besondere Anstrengungen“, argumentiert Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) und kündigt schnelle und flexible Lösungen an.

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