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Bodo Stade zur Nord-CDU

Leitartikel Bodo Stade zur Nord-CDU

Stützen oder stürzen. Dazwischen gibt es nichts im harten politischen Geschäft. Schon gar nicht ein halbes Jahr vor einer Wahl. Die schleswig-holsteinische CDU musste sich deshalb jetzt entscheiden.

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Bodo Stade zur Lage der Nord-CDU.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Augen zu und durch? Darauf hoffen, dass Amtsinhaber Torsten Albig irgendwie über sich selbst stolpert? Oder angesichts der dramatisch schlechten Umfragewerte einen harten Schnitt machen und mal eben den Spitzenkandidaten austauschen? Die Christdemokraten haben gestern in einem schon fast verzweifelten Befreiungsschlag die zweite Variante gewählt. Und so konsequent der Schritt nüchtern betrachtet auch erscheinen mag, so tapfer ein auf ganzer Linie gescheiterter Ingbert Liebing die Sache auch zu erklären versuchte – es ist ein politisches Debakel, das eines gnadenlos offenbart: Die Nord-CDU ist nach wie vor nicht mit sich im Reinen.

Natürlich hat Ingbert Liebing viele Fehler gemacht. Er hat Ratschläge nicht angenommen, nicht früh genug auf Warnungen reagiert und sich und seine Wirkung offenbar völlig falsch eingeschätzt. Der Grundfehler lag jedoch darin, den 53-Jährigen überhaupt ins Feuer zu schicken, weil jeder wusste, dass es für den netten Bundestagsabgeordneten unendlich schwer sein würde, diese Partei mit all ihren Schwächen in den Landtagswahlkampf zu führen.

Die Frage, ob die Nord-CDU ihren Spitzenkandidaten nun aktiv in die Wüste geschickt hat oder ihn zumindest nicht daran hinderte, seinen Rückzug zu verkünden, ist ziemlich unerheblich. Bemerkenswert ist, dass die Union bereits zum zweiten Mal auf spektakuläre Weise die Pferde wechselt, oder besser: wechseln muss. Erst 2011 war der als politisches Talent gelobte Christian von Boetticher gezwungen, das Handtuch zu werfen. Ihm mangelte es nach dem Liebesverhältnis zu einem jungen Mädchen zwar nicht an Bekanntheit. Doch seine Chance, die Wahl zu gewinnen, wurde ähnlich gering eingeschätzt wie nun bei Liebing. Bei der CDU reicht das, um sofort jede Unterstützung zu verlieren. Nach wie vor gilt hier die alte Losung von Peter Harry Carstensen: „Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg.“ Nur dafür wird man in der Nord-CDU wirklich geliebt. Bis heute hat die Partei jedoch nicht begriffen, dass für diesen Erfolg alle verantwortlich sind – nicht nur der Mann oder die Frau an der Spitze.

Nun soll es Daniel Günther richten. Der 43-jährige Fraktionsvorsitzende im Landtag ist die große Hoffnung. Er ist rhetorisch talentiert, angriffslustig, politisch hellwach – und war klug genug, für die anstehende Landtagswahl zunächst dem zehn Jahre älteren Liebing den Vortritt zu lassen. Denn Günther weiß, wie schwer die Aufgabe ist und wie schnell eine verlorene Wahl das frühe Ende einer Karriere bedeuten kann. Dass er sich in die Pflicht nehmen lässt, verdient Respekt. Es wäre dem Land zu wünschen, dass er als Herausforderer von Ministerpräsident Albig seinen Job macht. Einfach deshalb, weil es für die Demokratie gut ist, wenn die Menschen eine Wahl haben.

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Bodo Stade
Stellvertretender Chefredakteur

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