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Carola Jeschke zur Plastiktüten-Kampagne

Kommentar Carola Jeschke zur Plastiktüten-Kampagne

Nach Angaben von Umweltschutzorganisationen landen jährlich etwa zehn Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen. Sie gefährden nicht nur Seevögel und Meeresbewohner, die die winzigen, oft krebserregenden Kunststoffpartikel verschlucken oder sich darin verheddern, sondern gelangen auch in die Nahrungskette.

Im Pazifik treibt ein Plastikmüll-Teppich, der so groß ist wie Mitteleuropa – und die Kieler Ratsversammlung findet mit ihrem Beschluss, plastiktütenfreie Stadt zu werden, bundesweit Beachtung.Das Modellprojekt startet nach drei Beratungen am Runden Tisch mit einer Plakat- und Postkartenkampagne, die Verbraucher und Einzelhändler für einen Einkauf ohne Plastiktüte sensibilisieren soll. Wie bitte, mehr nicht?, möchte man fragen. Wie viel Information braucht die Öffentlichkeit denn noch?

 Die freundliche Aufforderung zur freiwilligen Selbstverpflichtung erscheint wie ein zahnloser Tiger angesichts einer Problematik, die so drängend ist, dass längst eine politische Entscheidung auf Bundesebene hätte fallen müssen. Aber in Deutschland kommt ein generelles Verbot – anders als in Indien oder Ruanda – nicht in die Tüte. Es sei „weder sachlich gerechtfertigt noch angemessen“, so die Argumentation. Und deshalb müssen wir uns freuen über den Runden Tisch in Kiel, über Plakate und über jeden Verbraucher, der den Jutebeutel dabei hat. Keine Frage: Der Kieler Vorstoß ist gut und niedrigschwellig. Langfristig darf er aber nicht als Tropfen auf dem heißen Stein verdampfen.

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Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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