19 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
Christian Hiersemenzel zum besseren Notendurchschnitt

Kommentar Christian Hiersemenzel zum besseren Notendurchschnitt

Ranglisten üben auf die meisten von uns einen unwiderstehlichen Reiz aus. Da geht es um Wettbewerb, um Sieg und Niederlage, kurz darum, sich mit anderen zu vergleichen.

In den Kultusministerien ist ein seltsames Ringen um die besten Abiturnoten zu beobachten. Jedes Jahr veröffentlicht die Kultusministerkonferenz dazu eine neue Statistik, und man darf getrost rätseln, worum es gehen soll: Wer hat Deutschlands klügste Schüler? Wo arbeiten Lehrer am effizientesten, schwarz auf weiß in einer Gesamtstatistik dokumentiert? Als wäre Bildung ein Sport, in dem es um schneller, höher, weiter geht – und als wäre das Abitur wirklich schon hundertprozentig vergleichbar.

Leider gibt die Statistik über die inhaltlichen Unterschiede keinen Aufschluss. Seit vielen Jahren schon doktern die Kultusministerien an einer gemeinsamen Linie herum, ohne dass es zu einer wirklichen Annäherung gekommen wäre. „Vergleichbarkeit ist kein Wert an sich“, sagte die FDP-Abgeordnete Anita Klahn gestern. Stimmt genau. Wer das Niveau senkt, um in der Statistik besser abzuschneiden, begeht einen Fehler. Ziel muss es sein, den Kindern und Jugendlichen möglichst umfassend einen Bildungskanon zu vermitteln, mit dem sie für das Leben gerüstet sind. Ärgerlich ist nur, dass sich Absolventen um knappe Studienplätze rangeln müssen. Schleswig-Holsteins Landeskinder können nichts dafür, dass Thüringer Abiturienten bessere Noten mit nach Hause bringen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Mehr aus KN-Kommentare 2/3