17 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Christian Hiersemenzel zur neuen AfD-Spitze

Kommentar Christian Hiersemenzel zur neuen AfD-Spitze

„Eiskönigin“: Das klingt glitzernd, nordisch und unangreifbar. Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein, Rechtsanwältin, Landtagsabgeordnete aus dem Kieler Umland und seit dem Wochenende neue Parteichefin der AfD Schleswig-Holstein, arbeitet gerade intensiv an einem klirrend-kalten Image, zu dem ihr Parteistrategen geraten haben.

Die 62-Jährige mit dem klingenden Adelstitel hat den Ehrgeiz, das bislang blasse Image des Landesverbandes zu schärfen. Aus gutem Grund: Dass die Rechtspopulisten im Norden bisher so wenige Anhänger gefunden haben, lag nur zum Teil an ihrer hoffnungslosen Zerstrittenheit, geprägt vom Kleinklein frustrierter alter Männer. Es lag auch daran, dass die AfD im Land politisch kaum wahrnehmbar war.

AfD-Abgeordnete stilisieren ihre Partei gern zur letzten konservativen Bastion. Es ist der Versuch, den Rechtspopulismus zu entdämonisieren und für eine breite Schicht wählbar zu machen – für Anhänger der CDU, aber auch der SPD.

Sayn-Wittgenstein hat in ihren ersten Landtagswochen als Abgeordnete nahezu ausschließlich kleine Anfragen zu den Themen Asylpolitik und Ausländerkriminalität gestellt. Reichlich monothematisch. Und ganz klar rechts. Die neue AfD-Chefin kokettiert damit, vom Sternbild Panzer zu sein, die Mentalität einer Hornisse zu haben und Streit zu schätzen. Sie möge den geschmeidigen, geschliffenen Umgang, sei aber in der Sache hart.

Das ist nichts, was Parteichefs wie Daniel Günther oder Ralf Stegner fürchten müssten. Aber Vorsicht ist geboten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Mehr aus KN-Kommentare 2/3