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Christian Longardt zum HSH-Deal

Leitartikel Christian Longardt zum HSH-Deal

Wie gern hätte die Landesregierung diese Debatte vermieden. Wie gern hätte Finanzministerin Monika Heinold weiter im Stillen daran gearbeitet, dass der Schaden durch die HSH-Altlasten so gering wie möglich ausfällt.

Seit letzten Donnerstag aber redet alle Welt über den spektakulären Schuldenschnitt für einen vermögenden Hamburger Kaufmann. 547 Millionen Euro, da bleibt einem die Spucke weg. Dafür bekommt man fast eine Elbphilharmonie.

Zum ersten Mal wird auch für Nicht-Banker greifbar, was jahrelang hinter komplizierten Finanztransaktionen und rätselhaften Rettungskonstrukten verborgen blieb. Was es bedeutete, wenn von einer systemrelevanten Bank gesprochen wurde, deren Unterstützung doch zum Wohle aller sei. Nun wird deutlich, dass es vor allem einen große Profiteur gab: Bernd Kortüm und seine Norddeutsche Vermögen Holding. Ein hübscher Name für ein Unternehmen, dessen Expansion die Länder-Bank dem Vernehmen nach mit einem Kreditrahmen von zwei Milliarden Euro fürsorglich begleitet hat. Etwa eine Milliarde ist Kortüm den Ländern heute noch schuldig, der Rest wird ihm erlassen.

Nun gehört ein Schuldenschnitt zum üblichen Instrumentarium einer Bank, wenn die Insolvenz eines Kreditnehmers droht. Was diesen Fall speziell macht, ist neben der Dimension des Erlasses die bemerkenswert enge Beziehung Kortüms zu der Staatsbank. Sehr praktisch, wenn man gleichzeitig Kunde und Berater ist. Elf Jahre saß Kortüm im Beirat, man kennt sich. Erst 2015, als die Reederei längst in der Klemme steckte, zog sich der Manager zurück – rechtzeitig vor dem großen Schnitt. Das riecht schon sehr nach Filz. Sorgen muss man sich um den Mann nicht machen: Ein Gut an der Schlei, eine nette Jacht – Kortüm wird kein Sozialfall.

So ein Vorgang wäre eigentlich ein Fest für die Opposition. Dass die CDU ziemlich verhalten agiert, erklärt der Blick zurück: Als die Länder 2009 den Zehn-Milliarden-Euro-Schirm über der taumelnden Bank aufspannten, stellte die Union in Hamburg den Bürgermeister (Ole von Beust) und in Kiel den Ministerpräsidenten (Peter Harry Carstensen). Das Manöver war extrem riskant, so viel wusste man schon damals. Zweifler wurden mit der Aussicht beruhigt, man könne mit einem blauen Auge davonkommen, wenn die Schifffahrtsbranche wieder Fuß fasse. Im Herbst 2016 ist klar: Nichts hat sich gebessert. Folgerichtig zieht die HSH die Garantie. Damit ist der Verlust nicht mehr nur virtuell, jetzt wird Bares fällig. Die ersten Milliarden sind schon gezahlt, Kortüms halbe Milliarde kommt obendrauf. Und das war noch nicht das Ende.

Die SPD-Spitze duckt sich gerade weg, vom früheren HSH-Aufsichtsrat Ralf Stegner hört man gar nichts. Den Schwarzen Peter schieben die Regierenden der Bank zu: Den Erlass beschloss ja noch die HSH. Seit Juli aber sind die Schrottpapiere nun Ländersache, die Bad Bank sitzt in Kiel. Künftige Schuldenschnitte müssten Monika Heinold und Torsten Albig verkünden – keine gute Perspektive für das Wahljahr 2017.

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Christian Longardt
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