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Christian Longardt zur Ehrendoktorwürde für Schavan

Kommentar Christian Longardt zur Ehrendoktorwürde für Schavan

Annette Schavan ist eine Schummlerin. Vor mehr als 30 Jahren hat sie bei der Verfertigung ihrer Dissertation über „Person und Gewissen“ getäuscht. Das kostete ihr vergangenes Jahr zu Recht den Job als Ministerin in Berlin. Dass auch die Aberkennung des wissenschaftlichen Titels korrekt war, bestätigte nun vor drei Wochen das Verwaltungsgericht Düsseldorf – und wies die Klage der Christdemokratin ab.

Annette Schavan ist eine Retterin. Als ganz Lübeck im Jahr 2010 mit Feuereifer gegen das Vorhaben der Landesregierung kämpfte, die Mediziner-Ausbildung an der lübschen Uni zu streichen, gelang erst mit Hilfe Schavans der Durchbruch. Durch ihren Einsatz flossen zusätzliche Millionen vom Bund nach Schleswig-Holstein, was der Trave-Uni die Existenz sicherte. Selten zuvor ist eine Bundesministerin in der stolzen Hansestadt so gefeiert worden.

Lübeck wird Schavan ewig dankbar sein, so viel steht fest. Diese Dankbarkeit wollte die Uni ausdrücken, als sie vor zwei Jahren beschloss, der Ex-Ministerin die Ehrendoktorwürde zu verleihen. Das war verständlich, aber schon damals problematisch. Denn da wird der Privatperson Schavan ein Titel geschenkt, weil sie als Politikerin Geld, konkreter: Steuergeld, fließen ließ.

Mit dem Düsseldorfer Urteil aber wird die Verleihung nun zur Peinlichkeit: Die Hochschule macht jemanden zum Ehrendoktor, der geistiges Eigentum gestohlen hat. Die Uni wollte und konnte wohl nicht mehr zurück. Schavan aber hätte auf diesen Titel verzichten müssen.

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