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Christian Longardt zur neuen Flüchtlingstragödie

Kommentar Christian Longardt zur neuen Flüchtlingstragödie

Die Zahlen sind erschütternd, die Tragödien unvorstellbar: 400 Flüchtlinge sind Mitte letzter Woche bereits im Mittelmeer ertrunken, nun starben offenbar weitere 700 Menschen bei dem Versuch, im reichen Europa ein besseres Leben zu finden.

Mehr als tausend Tote binnen weniger Tage – zu dem Entsetzen über die Dimension des Schrecklichen gesellt sich das Gefühl der Ohnmacht: Nichts und niemand, so scheint es, kann die Dramen an der Südgrenze der EU verhindern, kann das schmutzige Geschäft der Schlepper beenden.

Und uns in Schleswig-Holstein ist ja klar: Jeder einzelne dieser Flüchtlinge hätte bei einer geglückten Überfahrt auf einem der Seelenverkäufer auch hier oben landen können. Im alten Supermarkt in Gettorf, der als Asylbewerberunterkunft hergerichtet wurde, in Blumenthal, wo Migranten in einer Ferienwohnung unterkommen, in Segeberg, wo der Kreis Hotelzimmer als Notquartiere für die Fremden angemietet hat. Das Elend der Eritreer, die Sorgen der Syrer sind nicht mehr weit weg – das Schicksal dieser Menschen berührt uns inzwischen ganz unmittelbar, ob wir wollen oder nicht.

Man wünschte sich, die EU hätte endlich die Kraft, eine wirksame Seenotrettung zu organisieren, die mehr Leben als zuletzt retten kann. Das zumindest sollte den Politikern gelingen – wenn sie auch die Welt nicht ändern können.

Und wir? Wir können die Flüchtlinge in unserer Nachbarschaft herzlich empfangen, mitfühlen und ihnen helfen, bei uns zurechtzukommen. Das immerhin können wir tun.

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Ein Artikel von
Christian Longardt
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