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Florian Hanauer zum entflohenen Häftling

Kommentar Florian Hanauer zum entflohenen Häftling

Wenn Richter eine langjährige Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verhängen, dann geht es um ganz harte Fälle. Die Täter müssen hinter Schloss und Riegel bleiben, auch wenn sie ihre Haftstrafe abgesessen haben. Unstrittig ist, dass auch diese Insassen Maßnahmen zur Resozialisierung erhalten müssen.

Ob dies aber ein bewachter Freigang, auch „Ausführen“ genannt, sein sollte, wäre noch einmal zu diskutieren. Der in Lübeck entflohene Strafgefangene müsste noch viele Jahre in Haft bleiben, bevor er überhaupt die Sicherungsverwahrung erreicht – und wird dennoch „ausgeführt“. Doch wenn dasnun einmal nach dem Landesstrafvollzugsgesetz zur Praxis gehört, dann müssen strengste Maßstäbe gelten. Der Häftling muss von ausgebildeten, erfahrenen Mitarbeitern aus dem Justizvollzug begleitet werden, und keinesfalls darf improvisiert werden, wie es in dem aktuellen Fall geschehen ist. Notfalls muss der Freigang verschoben werden. Gerade in einem Bereich wie dem Strafvollzug darf es keinesfalls politische Vorgaben geben, die an Personalknappheit scheitern.

Die Verantwortlichen, und das sind die Anstaltsleitung ebenso wie die Justizministerin, auch wenn sie erst kurze Zeit im Amt ist, können nur von Glück reden, dass der Flüchtige Mann am Abend gefasst werden konnte. Nicht auszudenken, er hätte weitere Straftaten begangen. Nun aber gehört das System noch einmal auf den Prüfstand.

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