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Gerhard Müller zu Hamburgs Olympia-Kalkulation

Leitartikel Gerhard Müller zu Hamburgs Olympia-Kalkulation

Wenn jemand eine Feier plant, gibt es Grundregeln: Gewisse Verwandte oder Freunde müssen einfach eingeladen werden, das Verpflegungsangebot sollte aufgrund moderner Essgewohnheiten Vegetarier nicht verärgern, und mit Getränken sollte man nicht knausern.

Die Erfahrung lehrt besonders bei letzterem Aspekt, dass notorische Weißbier- oder Weißweintrinker plötzlich Pils bevorzugen oder die Rioja-Bestände im Keller erheblich reduzieren und somit alle schönen Berechnungen über den Haufen werfen.

Wenn schon private Planungen voller List und Tücken stecken, wie schwer muss dann erst ein Massenspektakel wie Olympische Spiele zu berechnen sein?

So gesehen ist den Hamburgern schon mal zu bescheinigen, dass sie gestern mit ihrem Finanzkonzept für die Bewerbung um die Spiele 2024 eine fabelhafte Fleißarbeit präsentiert haben. Wer neun Jahre vor einem solchen Weltereignis Kosten für den Ersatz von Norderelbdalben oder die Umsiedlung des Frucht- und Kühlzentrums im Hafen, dem Kerngebiet der Wettkämpfe, errechnen lässt, dem ist Sorgfältigkeit jedenfalls nicht abzusprechen.

Was das 114-Seiten-Machwerk wert ist, wird sich am 29. November zeigen, wenn die Hamburger Bürger, zeitgleich mit den Kielern, darüber abstimmen, ob sie überhaupt Olympische Spiele in ihrer Stadt erleben wollen. Zwar hat Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz versichert, in den Kosten seien Risikozuschläge schon enthalten, manches Projekt stehe teurer in den Berechnungen, als es nötig wäre. Doch wie belastbar die Zahlen wirklich sind, lässt sich schwer einschätzen. Hamburg wäre seit langer Zeit der erste Olympia-Gastgeber, der nicht erheblich kostspieliger baut als geplant. Auch wenn die Stadt, sollte sie 2017 vom Internationalen Olympischen Komitee den Zuschlag erhalten, eine sportliche Elbphilharmonie verhindern dürfte – 11,2 Milliarden Euro Gesamtkosten werden sicherlich nicht das Ende der olympischen Fahnenstange sein.

Schwer zu kalkulieren ist, wie sich die vorliegenden Kostenrechnungen am 29. November auf das Hamburger Wahlverhalten auswirken werden. Wahrscheinlich ist, dass die Ungewissheit, in welcher Höhe die Hansestadt das erwartete Finanzloch stopfen muss, aus Olympia-Skeptikern keine Befürworter machen wird. Doch werden aus Befürwortern Skeptiker?

Dass die Bundesregierung rechtzeitig vor dem Bürgervotum ihre Beteiligung an Olympia 2024 offenlegt, scheint unwahrscheinlich, obwohl es sich um eine vielfach beschworene nationale Aufgabe handelt. Auf welcher Grundlage sollen Hamburger und Kieler dann entscheiden? Klar ist, dass die Spiele nicht zum Nulltarif zu haben sind. Klar ist auch, dass für die nötigen Milliarden viele Schulen oder Straßen saniert werden könnten. Doch wenn es um die Zukunft dieser Städte geht, ist Olympia eine lohnende Investition. Kiel weiß besser als Hamburg, welche Vorteile eine solche Feier besitzt.

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