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Gerhard Müller zum Liga-Auftakt

Leitartikel Gerhard Müller zum Liga-Auftakt

Joachim Streich wirkte nostalgisch. Der heute 64-Jährige hat der DDR-Fußball-Oberliga in den 70er- und 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts seinen Stempel aufgedrückt. Streich ist mit 229 Toren der Rekordschütze der Oberliga.

Vor dem Start der Dritten Fußball-Liga wurden bei dem einstigen Magdeburger Europapokalsieger Erinnerungen wach. „Ich freue mich sehr auf die Saison, das ist ja die halbe frühere Oberliga“, sagte der Ex-Nationalspieler, der am Freitagabend im Eröffnungsspiel mit Aufsteiger Magdeburg in dessen schmuckem Stadion gegen Rot-Weiß Erfurt mitfieberte.

Ulf Kirsten, ehemaliger Nationalspieler der DDR und der Bundesrepublik, sagt es so: „Die Dritte Liga ist die Bundesliga des Ostens.“

Damit haben Streich und Kirsten auf den Punkt gebracht, unter welchem Motto die achte Serie der Dritten Liga steht: Ostalgie. Acht der 18 Klubs gehörten 1990/91 in der letzten Saison der DDR-Oberliga an: Hansa Rostock, Dynamo Dresden, der Hallesche und der Chemnitzer FC, Energie Cottbus, Erzgebirge Aue sowie die gestrigen Kontrahenten. Der Nachrichtensender n-tv lästerte: Ostklubs übernehmen die Dritte Liga. Erstaunliche Ansichten knapp 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung.

Eine solche Teilung der Dritten Liga nach überholten geografischen Grenzen ist allenfalls wegen eines ungewöhnlichen Unterschieds berechtigt: Ausgerechnet der arme Osten beziehungsweise seine Klubs verfügen schon oder in Kürze (Chemnitz und Erfurt) über moderne Arenen. In dieser Hinsicht kann im reichen Westen, vor allem hoch im Norden, nur Neid aufgekommen, denn von den überwiegend mit Steuermitteln finanzierten Fußball-Tempeln darf die KSV Holstein weiterhin nur sanft träumen.

Überhaupt die Finanzen: Die Dritte Liga kann wegen weiter Reisen und hoher Kosten für ambitionierte Vereine auf Dauer kein reizvoller Tummelplatz sein. Auch wenn in der kommenden Serie so viele Spiele wie nie live übertragen werden, fallen die Fernsehgelder gering aus. Während die Zweitligisten im Schnitt jeweils rund sechs Millionen Euro bekommen, erhalten alle 20 Drittligisten zusammen 12,8 Millionen Euro. Interessanterweise waren es vorwiegend die Ost-Klubs, die den Gentlemen des DFB vorwarfen, den TV-Vertrag mit der ARD zu unveränderten Konditionen verlängert zu haben, statt den Bezahlkanal Sky zur Kasse zu bitten.

Sportlich verspricht die Saison wieder reichlich Spannung. Und spannend wird zu beobachten sein, ob die KSV Holstein an die großartigen Leistungen der vergangenen Serie anknüpfen kann. Den Kader von Trainer Karsten Neitzel zeichnet nun noch mehr Qualität aus, der Konkurrenzkampf um die elf Plätze auf dem Rasen ist auf nahezu allen Positionen noch härter geworden. Ob das reicht, um der Hölle zu entrinnen, wie der Zweitliga-Rückkehrer MSV Duisburg auf seinen Aufstiegs-Shirts verbreitete, werden wir spätestens am 14. Mai 2016 wissen.

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Gerhard Müller
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