18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Heike Stüben zur Krankenhausreform

Kommentar Heike Stüben zur Krankenhausreform

Gute Medizin soll sich lohnen. Das ist das Credo von Gesundheitsminister Hermann Gröhe, und damit begründet der CDU-Mann auch seine Krankenhausstrukturreform. Kein Zweifel: Veränderungen in unseren Krankenhäusern sind notwendig, um gute Medizin für alle in Deutschland dauerhaft sicherzustellen. Doch diese Reform hat Risiken und Nebenwirkungen. Auch darüber sollten die Bürger informiert werden.

Gröhe hat ja recht: Die bisherigen Vergütungssysteme haben deutliche Schwächen. Zuerst wurden die Krankenhäuser nach Liegetagen bezahlt. Das wurde teuer, weil Patienten länger in der Klinik behalten wurden als notwendig. Also wurden 2004 die Fallpauschalen eingeführt. Je kürzer die Liegezeit, desto lohnender war es von da an für das Krankenhaus. Endgültig wurden so die Krankenhäuser vom Heiler zum Unternehmer. Die Liegezeiten sanken in 20 Jahren von 14 auf 7,7 Tage im Schnitt, und das trotz immer mehr alleinstehender, gebrechlicher, dementer und mehrfach schwer erkrankter Patienten. Die Folgen: eine enorme Arbeitsverdichtung und dennoch blutige Entlassungen. Zudem Krankenhäuser, die sich immer mehr auf das spezialisierten, was lukrativ war. Lieber viele neue Hüften und Kniegelenke als eine teure Geburtshilfe!

Dass nun gute Qualität mit Zuschlägen belohnt und fortgesetzt schlechte Qualität mit Abschlägen bestraft werden soll, wird und soll offenbar diese Spezialisierung fördern. Das kann durchaus im Sinne des Patienten sein. Weil angesichts der Fortschritte in der Medizin nicht alle Häuser Experten für alles vorhalten können. Doch wer regelt, wer was anbietet? Die großen Kliniken haben sich längst spezialisiert und werden nun mit einer bessere Ausgangsposition im Kampf ums Geld belohnt. Wer wie die letzten kommunalen Häuser oder Kliniken auf dem Land eine gute Grundversorgung geboten hat, wird hingegen bestraft. Es ist von Anfang an ein ungleicher Kampf und die notwendigen Regulierungsmechanismen durch die Politik greifen schon jetzt nicht mehr.

Das Krankenhaus-Strukturgesetz wird sich zu einem Krankenhaus-Schließungsgesetz entwickeln. Die Zentralisierung wird am Ende zu wenigen großen Trägern auf dem Krankenhausmarkt führen. Aus Häusern der Daseinsvorsorge werden profitorientierte Unternehmen internationaler Player werden, die sich auch in die Unikliniken einkaufen werden. Alles Schwarzseherei? Mag sein. Aber Gröhe leitet eine neue Entwicklung ein, die der Politik gänzlich aus den Händen gleiten und die Basisversorgung in ländlichen Regionen gefährden kann.

Und um die Reform zu finanzieren, will Gröhe einen Strukturfonds mit bis zu einer Milliarde Euro schaffen. Der Trick: Die Länder sollen die Hälfte beisteuern. Geld, das aber dringend für Investitionen gebraucht wird. Dieses Problem wurde ebenso wenig wie das Personalproblem angepackt. Gröhes Personalgeschenk klingt großzügig. Es reicht aber gerade mal für eine zusätzliche Pflegekraft pro Krankenhaus.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Gewinnspiele

Kostenlos mitmachen
und mit etwas Glück
jetzt gewinnen!

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Anzeige
Mehr aus KN-Kommentare 2/3