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Heike Stüben zu 30 Jahre Tschernobyl

Kommentar Heike Stüben zu 30 Jahre Tschernobyl

Die Verunsicherung. Das Misstrauen. Die Angst der Schwangeren und aller Eltern. Tschernobyl hat sich eingebrannt in unser Gedächtnis. Seither steht Atomkraft endgültig für eine nicht beherrschbare Technologie.

Tschernobyl wurde aber vor allem zum Lehrstück für Fehleinschätzungen und Desinformationspolitik. Und das galt nicht nur für die sowjetische Regierung, die verschwieg, verharmloste und unzählige Menschenleben unnötig opferte und gefährdete.

 Nein, verschwiegen und kleingeredet wurde auch bei uns. Die Länder mussten ihre Messergebnisse an die Bundesregierung melden. Dort wurde entschieden, was veröffentlicht wird und was nicht. Erst 17 Tage nach der Reaktorkatastrophe wagte sich die schleswig-holsteinische Sozialministerin aus der Deckung. Wenigstens eines dürfte seither Politikern in Schleswig-Holstein klar sein: Wenn Bürger keine Informationen bekommen, beschaffen sie sich die selber.

 Viel mehr lässt sich aber nicht feststellen. Für den Ausstieg aus der Technologie war eine weitere AKW-Katastrophe in Japan notwendig. Und ob Deutschland damit ein Vorbild ist oder nur ein Sonderfall in der Welt bleibt, ist offen. Klar ist hingegen: Noch immer gibt es kein Endlager für Atommüll. Nirgends. Stattdessen in etlichen Ländern Pläne für weitere Atomkraftwerke. 30 Jahre nach der Kernschmelze gilt die bittere Erkenntnis: Der Lerneffekt aus Tschernobyl war erschreckend gering.

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Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Tschernobyl-GAU
Foto: Reparaturarbeiten am explodierten ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl – die Aufnahme entstand im Oktober 1986. Menschliches Versagen bei einem Probelauf hatte in der Nacht zum 26. April zu der Katastrophe geführt.

Es war der GAU – der größte anzunehmende Unfall: In der Nacht zum 26. April 1986 geriet eine Überprüfung im Atomkraftwerk von Tschernobyl außer Kontrolle. Am Montagabend berichteten Zeitzeugen in Altenholz.

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