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Heike Stüben zu Pflege-Honorarkräften

Kommentar Heike Stüben zu Pflege-Honorarkräften

Das Modell kam zuerst in der Gastronomie auf den Tisch: Kellner, Zimmermädchen, Köche – alle selbstständige Unternehmer! Komisch nur, dass sie ganz normal jeden Tag ihre Schichten schoben, aber nie einen regulären Arbeitsvertrag bekamen.

Jahrelang hat der Zoll gegen solche Modelle gekämpft. Durchaus mit Erfolg. Jetzt also ist die Pflege an der Reihe.

Dabei scheint hier wie dort das Unrechtsbewusstsein gering. Die Rahmenbedingungen machen das Geschäftsmodell aber auch so einfach und lukrativ: Wenn Menschen bereit sind, auf Honorarbasis für etwas mehr Netto dieselbe Arbeit zu machen wie Festangestellte – warum soll man das nicht nutzen? Beide und auch der Vermittler werden aus Eigennutz schon dichthalten. Gerechnet wurde offenbar nicht damit, dass die Rentenversicherung Druck auf die Politik macht und der Zoll sich inzwischen darauf spezialisiert hat, solche Geschäftsmodelle aufzuspüren – auch rückwirkend.

In der Alten- und Krankenpflege kommt aber ein strukturelles Problem hinzu. Die Arbeitsbedingungen sind zum Teil so schlecht, dass sich ihnen immer mehr Kräfte verweigern. Sie sehen oft nur einen Ausweg, dem Stress und dem allzeit drohenden Anruf „Du musst einspringen“ zu entkommen: selbstständig arbeiten, wann man es selbst möchte. Dass diese Freiheit ohne soziale Absicherung eine Mogelpackung ist, merken die Honorarkräfte oft erst, wenn es zu spät ist.

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Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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