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Heike Stüben zum Streit um Honorarkräfte

Kommentar Heike Stüben zum Streit um Honorarkräfte

Die Arbeitnehmer um Lohn und soziale Absicherung gebracht, den Sozialkassen Millionen vorenthalten: Klar, das entfacht Empörung, da ruft man gerne: Haltet den Dieb! Doch wer die Pflegebetreiber insgesamt und allein für die Zustände in der Branche verantwortlich macht, der macht es sich zu einfach.

Vor allem verschenkt er die Chance, die Grundfrage zu klären: Wollen wir, dass in Zukunft Pflegebedürftige menschlich und fachlich gut versorgt werden? Wollen wir weiterhin eine ambulante Versorgung in der eigenen Wohnung bieten? Lautet die Antwort Ja, dann brauchen wir mehr Menschen, die in der Pflege arbeiten. Das wird Geld kosten. Denn wenn das Massenphänomen Honorarkräfte in der Pflege eines zeigt, so ist es dieses: Viele Pflegekräfte fühlen sich so sehr ausgepowert und so wenig anerkannt, dass sie nur noch zwei Auswege sehen – ganz raus aus der Pflege oder rein in die Freiberuflichkeit. Dass Vermittlungsunternehmer dies als lukrative Geschäftsidee nutzen, kann nicht wirklich verwundern. Solange Fachkräfte in der Pflege schlechter entlohnt werden als im Handwerk, solange Mitarbeiter nicht selbst in Teams ihre Arbeitszeiten gestalten dürfen, solange nicht bessere Personalschlüssel für höhere Arbeitszufriedenheit sorgen, solange wird diese Absetzbewegung anhalten. Und wenn wir dafür nicht das Geld ausgeben wollen? Dann haben wir im Alter zwei Möglichkeiten: in Deutschland in Massenunterkünften vorwiegend von Robotern versorgt – oder in Billiglohnländer abgeschoben zu werden.

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Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Pflegeheime
Foto: Irini Aliwanoglou, Geschäftsführerin der Pflege Schleswig-Holstein hält Honorarkräfte in der Pflege für rechtlich bedenklich.

In der Pflege bahnt sich ein offener Konflikt an. Die Pflegeheime in Schleswig-Holstein sehen sich durch die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, illegal Honorarkräfte zu beschäftigen, zu Unrecht in die kriminelle Ecke gestellt. Ohne Honorarkräfte müsse der Pflegenotstand ausgerufen werden.

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