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Heike Stüben zum unbefristeten Kita-Streik

Kommentar Heike Stüben zum unbefristeten Kita-Streik

Ein unbefristeter Kita-Streik – in vielen Familien wird die Nachricht hektische Betriebsamkeit auslösen. Auf Dauer werden Großeltern, Nachbarn oder andere Eltern nicht mehr einspringen können. Dann heißt es: Urlaub nehmen oder Geld für eine Betreuung investieren. Je mehr Eltern davon betroffen sind, desto eher wird die Stimmung kippen. Die Gewerkschaften bewegen sich also auf einem schmalen Grat.

Doch noch kann man laut Umfragen auf breites Verständnis in der Bevölkerung bauen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass man Fachpersonal in Kitas braucht, damit sich Menschen überhaupt noch für Kinder entscheiden. Und dass diese Kinder wirklich gut betreut werden müssen. Das setzt personelle Qualität und Quantität voraus. Doch Kita-Träger berichten, dass es immer schwieriger wird, Personal zu finden. Gerade für neue Einrichtungen. Dass die bitter notwendig sind, zeigt das Beispiel Kiel, wo weitere 500 Kita-Plätze geschaffen werden (müssen). Schließlich gibt es den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung. Nur vor diesem Hintergrund können die Gewerkschaften bis an die Grenze des Zumutbaren gehen.

Geld ist nicht alles. Aber es erhöht die Attraktivität eines Berufes, dessen Bezahlung – im Schnitt weniger als bei Paketzustellern – nicht der Bedeutung und dem Nutzen für die Gesellschaft entspricht. Damit künftig junge Leute Erzieher werden, müssen aber auch mehr Vollzeitstellen her. 2014 arbeiteten 71 Prozent der Kita-Fachkräfte in Teilzeit! Sehr viele zwangsweise. Oft kann man nur mit weiteren Jobs überleben. Aber Vollzeitstellen lassen sich nicht erstreiken.

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